Film: Transfer

Zwei Seelen ach! in einer Brust

Ein faszinierendes Konzept, das sich der in Kroatien geborene deutsche Regisseur Damir Lukacevic für seinen dystopischen Science-Fiction Film ausgedacht hat: In der nahen Zukunft ist es möglich die Seele zu verpflanzen, sich einen neuen Körper zu kaufen.

Eine Firma namens "Menzana" - abgeleitet von der Redewendung Mens sana in corpore sano (Gesunder Geist in gesundem Körper) verkauft diese jungen, schönen, gesunden Körper an wohlhabende Kunden, die dem nahenden Tod so ein Schnippchen schlagen wollen. So plant es auch das Ehepaar Hermann und Anna Goldbeck (Hans-Michael Rehberg und Ingrid Andrée), das am Bodensee in einer schmucken Villa lebt und von ebenso wohlhabenden Freunden umgeben ist, die allesamt weiß sind.

Das ist nicht ganz unerheblich, denn die jungen Körper, in die die Seele der wohlhabenden Deutschen transportiert wird, sind schwarz. Es sind Sarah und Apolain (Regine Nehy und BJ Britt), die aus Afrika stammen und ihre Körper für viel Geld zur Verfügung stellen. Und die nachts, für vier Stunden, die Kontrolle über sich behalten. Tagsüber dagegen beherrscht das Wesen der weißen Deutschen die schwarzen Körper, genießt die neu gewonnene Agilität und ignoriert die sich langsam verstärkenden Probleme. Denn in den Körpern tobt zunehmend der Konflikt zweier Seelen, wird das Verlangen Sarah und Apolain nach einem selbstbestimmten Leben immer größer.

Gerade diese Gegenüberstellung von Schwarz und Weiß wirkt zunächst wie ein viel versprechender Ansatz, der Anlass bietet Fragen von Rassismus über moderne Sklavenhaltung bis zur Ausbeutung Afrikas durch die westliche Welt zu thematisieren. Doch die Diskussion dieser ethisch-moralischen Fragen, die der Kern jedes dystopischen Science-Fiction-Films sind, bleibt im Ansatz stecken. Viel zu kompliziert ist die Konstruktion, die Lukacevic mit seiner Ko-Drehbuchautorin Gabi Blauert entwickelt hat, vor allem aber viel zu sehr den Thesen verhaftet, die diskutiert werden sollen.

Es ist das alte Problem des deutschen Genre-Kinos: Statt eine spannende Geschichte zu erzählen, die auf unterschwellige Weise substanzielle Fragen aufwirft, werden diese auf viel zu direkte und damit letztlich unsubtile Weise verhandelt. So bleibt am Ende einmal mehr ein halbgarer deutscher Genre-Film zurück: im Ansatz ambitioniert und spannend, in der Ausführung augenscheinlich in den Gremien des Kleinen Fernsehspiels zerrieben.

Science Fiction: Deutschland 2010, 90 Minuten, von Damir Lukacevic, mit Hans-Michael Rehberg, Ingrid Andree, BJ Britt, Regine Nehy

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