Berliner Perlen

Vom Leben gezeichnet

Micky und Donald, Obelix und Idefix, Tim und Struppi, Superman und Batman. Sie alle haben hier ihr Zuhause. Aber sie sind nur die bekanntesten Figuren, die man im Groben Unfug finden kann. In Büchern natürlich. Comicbüchern. Und in Heften. Manche auch als kleine Figuren. Oder auf einer Tasse, einem T-Shirt oder an einem Schlüsselanhänger.

Die Comicbuchhandlung "Grober Unfug" wurde 1982 in Kreuzberg von drei jungen Männern aus der linken Hausbesetzer-Szene gegründet. "Nach nur drei Monaten hatte einer der drei einen festen Job, bei dem er sicheres Geld verdienen konnte, und ich sprang ein", sagt Margitta Fischer. Sie hatte Zeit, im Laden zu stehen, aber nicht viel Ahnung von Comics. Asterix und Co, das hatte sie auch gelesen als Kind. Aber sonst? Die aktuellen, politisch motivierten Graphic Novels, die gezeichneten Romane, und die Comics von Berliner Zeichnern wie Fil oder OL, die man im Groben Unfug verkaufte, die kannte sie kaum. "Mein Wissen habe ich mir über die Jahre angeeignet", sagt die heute 62-Jährige.

Kein Laden für Sammler

Kurz nach Margitta Fischer fingen auch Torsten Alisch und Bert Henning im Groben Unfug an. Aushilfsweise und weil sie sich für Comics interessierten. "Ich habe sogar selbst welche gezeichnet", sagt der 50-jährige Henning. "Allerdings wenig erfolgreich". Heute sind die drei Geschäftsführer im Kult-Laden und der Grobe Unfug gilt als eine der bekanntesten Comicbuchhandlungen Europas. Aktuelle Comics, Neuheiten, Politisches, waren schon immer der Schwerpunkt im Groben Unfug. Klar, auch Micky, Asterix und Kollegen werden hier verkauft. "Aber wir sind kein Laden für Sammler, die das Micky Maus Heft von 1953 suchen", sagt Henning. Die Bücher der Graphic-Novel-Stars Joe Sacco, Art Spiegelman, Craig Thompson oder Will Eisner mögen sie alle. Und: "Ich verkaufe lieber billig an Kinder, die den Comic dann auch lesen, als an Sammler, die das Heft nur in den Schrank stellen", sagt Henning. Und so werden die älteren Comichefte auch mal für einen Euro pro Stück verramscht. Hauptsache, sie sind dann weg.

Natürlich kommen auch mal eher seltsame Kunden mit bizarren Wünschen zur Tür herein. "Manche denken auf Grund unseres Namens, dass wir hier Scherzartikel verkaufen", sagt der 52-jährige Alisch. Andere fragen nach dem Quelle-Katalog oder einem aufblasbaren Nilpferd. "Und wenn wir dann sagen, dass wir leider keine Baströcke verkaufen, erklären sie uns, dass die aber sicherlich gut gehen würden", sagt Fischer und lacht.

Neben Comicbüchern und -heften gibt es auch Merchandiseartikel. Einmal etwa ein über zwei Meter großes Marsupilami aus dem Comic "Spirou und Fantasio". Für 3000 Euro. Hat keiner gekauft. "Aber unsere Angestellten haben andere gute Ideen", sagt Alisch. Damals beispielsweise, als der Manga-Hype einsetzte. "Ich wollte die nicht verkaufen", sagt Henning. Doch er ließ sich überreden. Heute ist er froh, dass neben Comics für Kinder, Superhelden-Geschichten und Graphic Novels auch Mangas in den Regalen stehen. "Dass es da sehr wohl auch viele wirklich gute Sachen gibt und nicht nur Schund, wie ich am Anfang dachte, musste ich erst lernen." Trotzdem sind seine Lieblingscomics nach wie vor die Geschichten aus Entenhausen. Torsten Alisch steht mehr auf die Sachen aus dem japanischen Zeichentrick-Studio Ghibli: Prinzessin Mononoke oder Chihiros Reise ins Zauberland. Margitta Fischer liebt die Graphic Novel "Muchacho" von Emmanuel Lepage, die in Nicaragua spielt.

1997 entschloss sich das Comic-Kollektiv aus der Zossener Straße, den Sprung nach Mitte zu machen. Nach langen Diskussionen eröffneten sie einen zweiten Laden an der Weinmeisterstraße. "Wir sind recht behäbig und langsam, was solche Entscheidungen betrifft", sagt Henning. Vor wenigen Monaten sind sie nun aus der Weinmeister- in die Torstraße umgezogen. In größere, hellere und billigere Räume. "Herrlich", findet das Torsten Alisch. "Ich hatte mich sofort in den Laden verliebt. Es ist toll, dass es da so hell ist, dass nicht alles so vollgestopft ist. Endlich sieht man die Titel richtig - und die Kunden haben Platz."

Signierstunde mt Fil

Platz gibt es immer auch für Signierstunden. Früher wurden zusätzlich Ausstellungen organisiert. Fil, Tom, OL - fast alle Berliner Comiczeichner hatten ihre Ausstellungen im Groben Unfug. Und fast alle haben auch irgendwann einmal dort gearbeitet. Heute beschränkt man sich auf Signierstunden. Und die laufen ziemlich gut. Als Morris ("Lucky Luke") kam, standen die Leute in langer Schlange die Straße hinunter. Sogar der große Will Eisner ("Spirit") war da und zeichnete seinen Fans in die Bücher. Demnächst sitzen Oliver Naatz (24.9.) und OL (8.10.) in der Torstraße. Fil signiert anlässlich seines zehnten "Didi & Stulle"-Bandes am 14. Oktober in der Zossener Straße.

Irgendwas ist immer los im Groben Unfug. Und immer findet man als Kunde irgendeine Kleinigkeit. Egal, ob die aktuelle Ausgabe einer amerikanischen Comicheft-Serie, ein lustiges Kinderbuch, eine anspruchsvolle Graphic Novel, eine Actionfigur, einen spanischsprachigen Comic oder ein lustiges Mitbringsel. Alles außer groben Unfug.

Grober Unfug Zossener Str. 33, Kreuzberg, Mo-Fr 11-19 Uhr, Sbd. 11-18 Uhr, Grober Unfug Mitte, Torstr. 75, Mo.-Mi. 11-19 Uhr, Do.-Fr. 11-20 Uhr, Sbd. 11-18 Uhr, www.groberunfug.de