Ausflugs-Tipp

Durchs Nikolaiviertel zum Märkischen Museum

Wir starten am Alexanderplatz, doch wollen wir dem Berlin, das uns hier erwartet, schnell den Rücken kehren. Vorbei am Fernsehturm gönnen wir uns den Abstecher in die Marienkirche (1.), deren lichtes, freundliches Innere eine recht eigene Festlichkeit ausstrahlt.

Der Bau entstand aus einer mittelalterlichen Pfarrkirche und ist heute eines der letzten Dokumente des historischen Berliner Stadtkerns.

Derart eingestimmt treffen wir bald auf ein weiteres Zeugnis des alten Berlin, die Nikolaikirche (2.) im gleichnamigen Viertel. Ihre Gründung reicht ins 13. bis 15. Jahrhundert zurück. Die Familiengrüfte haben sie zu einem "Pantheon der Berliner Geschlechter" geadelt. Spätestens jetzt wird klar, dass wir uns auf unserem Spaziergang tief in die Berliner Vergangenheit begeben. Der Rest des Viertels interessiert uns daher wenig.

Und wahrlich, historischer als die Franziskaner-Klosterkirche kann ein Ort in dieser Stadt kaum sein. Auch ihre Wurzeln liegen im Mittelalter, ihre vertraute Form erhielt sie aber erst im 19. Jahrhundert. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde sie so stark zerstört, dass heute nur noch Teile der Außenmauer stehen. Das backsteinerne Gerippe hat fast surreale Züge, der Blick durch die riesigen Fensteröffnungen auf das Gebäude des Amts- und Landgerichts gegenüber wirkt wie aus einem Science-Fiction-Film. Es ist ein unverstellter Blick durch die Jahrhunderte, ein Blick, wie er nur in Berlin möglich ist. Bevor wir der Spur der Vergangenheit weiter folgen, erlauben wir uns noch, in die kathedralenartige Treppenhalle des benachbarten Gerichts zu schauen. Sie steht ihrer beeindruckenden Schwester im Moabiter Kriminalgericht in nichts nach, nur fehlt ihr ganz die düstere Drohgebärde des wilhelminischen Obrigkeitsstaates. Vorbei an Parochialkirche (bei der sich ein Gang über den Friedhof lohnt) und Altem Stadthaus, dessen Architekt Ludwig Hoffmann das Gesicht Berlins bis in die Gegenwart prägt, passieren (oder besuchen) wir das Gasthaus "Zur letzen Instanz", in dem schon Gerhard Schröder Jacques Chirac bewirten ließ, um in der Waisenstraße auf letzte Reste der ursprünglichen Stadtmauer (3.) zu treffen.

Die Gegend mit ihren wuchtigen, aus der Zeit gefallenen preußischen Verwaltungsgebäuden hat heute ihren eigenen, beinahe weltabgewandten Charme, doch von hier aus wurde einst die Stadt regiert und kontrolliert. Den Zwiespalt zwischen dem, was war, und dem, was ist, spürt man mit jedem Schritt.

Am Rolandufer staunen wir noch über den Betrieb der Mühlendamm-Schleuse, um endlich das (ebenfalls von Ludwig Hoffmann entworfene) Märkische Museum (4.) zu erreichen.