Film

Lebensmittelberge: "Taste the Waste"

Man muss in keiner Hungerzone aufgewachsen sein, um Aufnahmen, in denen essbares Brot auf dem Müll landet, schwer erträglich zu finden. Dokumentarfilmer Valentin Thurn gibt sich damit keineswegs zufrieden. In seinem "Taste the Waste" zeigt er wieder und wieder ganze Lebensmittelberge, die von Baggern auf Abfallhalden geschoben werden. Es wird einem fast schlecht davon.

Ob Fisch in Japan , Supermarktgemüse in Frankreich oder eben Brot in Österreich, allüberall werden gigantische Mengen vollkommen genießbarer Lebensmittel weggeworfen und vernichtet. Das erscheint nicht nur angesichts von hungernden Kindern in Afrika skandalös. Es ist auch klimatechnisch relevant: Die Halbierung der Lebensmittelabfälle, so lehrt uns eine der vielen Schrifttafeln, die Thurn während seines Filmes einblendet, würde ebenso viele Klimagase vermeiden wie die Stilllegung jedes zweiten Autos.

"Taste the Waste" ist voll von solchen Erkenntnissen. Mit dem Essen, das in Europa und Nordamerika auf dem Müll landet, könnte man die Hungernden der Welt nicht ein-, nicht zwei-, sondern ganze dreimal satt kriegen. Mit dem Brotabfall einer Bäckerei lässt sich Energie sparen, wenn man mit ihm die Öfen befeuert.

Wenn Kinder neben weidenden Kühen und summenden Bienen aufwüchsen, wüssten sie besser, woher ihre Nahrung kommt. Und sie wären weniger dickleibig. Wer bewusster einkauft, genießt auch mehr. Je mehr Lebensmittel bei uns weggeworfen werden, desto höher ist der Nahrungsmittelpreis. Nicht alle Argumente des Regisseurs werden schlüssig vorgetragen und haben dieselbe Überzeugungskraft.

Filme wie "Taste the Waste", denen ihre guten und richtigen Absichten nicht abzusprechen sind, machen es der Kritik zugleich einfach und schwer.

Einerseits macht Thurn verdienstvoll auf Zustände aufmerksam, die es verdienen, mehr beachtet zu werden. Andererseits aber verkürzt er manchen Zusammenhang um so viele Ebenen, dass nur noch Gutmenschenparolen wie "Kinder sollten wieder kochen lernen" oder "Essen Sie auch zu groß geratene Kartoffeln" übrig bleiben.

Statt an verschiedenen Schauplätzen in Japan, den USA, in Frankreich, Kamerun und Italien zu drehen - und all das Flugbenzin zu verbrauchen -, hätte es für Thurns Anliegen vielleicht mehr gebracht, in Österreich zu bleiben und etwa diese eine Müllforscherin länger zu Wort kommen zu lassen, die hier so interessante Überlegungen anstellt wie: Was macht man selbst mit dem Apfel mit der faulen Stelle im Supermarktregal? Man lässt ihn liegen. Soll ihn doch jemand anders kaufen!

Doku: D 2011, 90 Min., von Valentin Thurn

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