Gourmetspitzen

Ein Kalbskotelett vom Grill, das sprachlos macht

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Die häufig wiederholte Frage etlicher Morgenpost-Leser, Kocharena-Fans und Facebook-Connaisseure, welche der mehreren Hundert italienischer Restaurants in Berlin nach meinen persönlichen Erfahrungen in der Rangliste ganz oben stehen, ist schnell beantwortet.

Das Il Punto an der Neustädtischen Kirchstraße, das Capriccio am Hagenplatz und das La Cascina im Grunewald bilden nach meinem Geschmack die grün-weiß-rote Spitze. Das heißt aber nicht, dass etliche andere wie beispielsweise das Bocca di Bacco nicht ebenfalls gut sind. Nicht zu meinen Favoriten, aber dennoch zu den überdurchschnittlichen gehört das Nuovo Mario auf der Ecke Fasanenstraße/Kantstraße, wie ich bei meinem Besuch in dieser Woche durchaus genussvoll erlebte. Das Restaurant mit der schönen Straßenterrasse hat gegenüber im Freigelände vor dem Bahndamm einen weiteren großen Gartenbereich, neudeutsch, Lounge, wo allerdings nur Pizza und einfache Gerichte serviert werden.

Es ist immer wieder überwältigend zu sehen, wie intensiv und liebevoll der Service beim Italiener läuft. Bevor die Küche überhaupt den ersten Einsatz hatte, war ich begeistert über den angenehmen Einstieg. Das gerade im Haus frisch gebackene Brot mit dunkler Kruste und Ciabatta wurde in Verbindung mit einem ansehnlichen Teller Proscuitto di Parma und italienischen Oliven erster Wahl serviert. Als die gestärkte Serviette mir vom Schoß rutschte, wurde flugs eine neue gereicht. Der Weißwein, für den zufällig einmal warmen Abend in diesem kalten Sommer, kam perfekt temperiert in einem riesigen Eiskübel. Alles angenehme Vorraussetzungen, die man nicht allzu oft erlebt.

Die Speisekarte ist übersichtlich gestaltet und recht breit aufgestellt. Eine gute Auswahl von Suppen wie die Kartoffelcreme, allerdings mit dem unsäglichen Trüffelöl, das mit wahrem Trüffel-Geschmack nichts zu tun hat. Die klassische Antipasti-Karte, eine ansehnliche Pasta-Sammlung folgt und letztendlich die breit aufgestellte Fisch- und Fleisch-Palette. Eine Familie neben mir (Touristen aus Köln) äußerten sich hocherfreut, ja begeistert über die Vorspeisen Vitello Tonnato und Seeteufel-Medaillons mit frischen Pfifferlingen. Es war schon auffällig, wie groß die Portionen bemessen sind, als aber mein Kalbskotelett vom Grill kam, war ich für den Moment sprachlos. Der Koch wollte wohl etwas Gutes tun und hatte ein mindestens 600 Gramm schweres Kotelett perfekt gegart. Alle Kriterien wie Produktqualität, Zubereitung und Würzen bekamen die Höchstpunktzahl. Großartig sah auch das gebratene Zanderfilet aus, das mit Kapern-Butter-Sauce parfümiert war und dem Galeristen und letzten Dali-Sekretär Lambert Monet mundete. Auch die Seeteufelbäckchen in Kürbiskernkruste auf Rucola serviert, waren nicht tot gebraten, sondern hatten noch einen leicht glasigen Kern. Die frisch aufgeschlagenen Saucen, das knackige Gemüse, die hausgemachten Nudeln, all das war von ordentlicher Qualität.

Nichts zu kritisieren? Das gibt es höchst selten. Hier war es lediglich ein Gericht, oder präziser gesagt, das Produkt dazu. Das Carpaccio di Salmone, das marinierte Lachscarpaccio auf Zitronensauce, die ausgesprochen frisch und appetitlich abgeschmeckt war, geriet zum Ärgernis, weil der Lachs bereits fischig schmeckte. Sie wissen ja, wenn der Fisch nach Fisch riecht, ab damit in die Tonne. Dieser Grundsatz war hier nicht beachtet worden. Aber, es war wie gesagt, die einzige Panne in diesem angenehmen Restaurant. Die Küche muss richtig heftig arbeiten, denn die Wartezeiten sind nicht übermäßig lang und etliche Gerichte sind in der Zubereitung aufwendig. So das Ochsenfilet gegrillt und in einer Barolo-Sauce serviert, der zarte Lammrücken in Walnuss-Rotwein-Sauce hatte ich auch noch nicht erlebt oder das Rinderfilet, das mit einer gut abgestimmten Portion Gorgonzola überbacken war.

Die Sympathie der Berliner für die Cucina Italiana ist so alt wie die Liebe zum Land, in dem die Zitronen blühen. Die nach Italien reisenden Klassiker wie Goethe fanden Wohlgefallen nicht nur an Amphitheatern und Palästen, sondern auch an Minestrone, Spaghetti, Rigatoni a la Boscaiola.

Die Desserts sind italienisch, sehr süß und preiswert kalkuliert. So kostet das erstklassige Halbgefrorene von der Passionsfrucht gerade mal 5 Euro. Die Weinpflege und die Karte sind erwähnenswert. Es gibt kleine, sehr günstige Empfehlungen und große italienische Top-Lagen. Hinzu kommen ein paar sizilianische Entdeckungen. Aus Überzeugung möchte ich aber noch einmal den Service herausstellen, der italienisch locker, aber auch handwerklich sauber agiert. Das entsprach exakt unseren Vorstellungen, die wir von "unserem Italiener" haben.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost

Ristorante Nuovo Mario Fasanenstraße 11a/Ecke Kantstraße, Charlottenburg, Tel. 31 99 83 63, Mo.-Sbd. 10-1 Uhr, So. ab 17 Uhr, www.nuovomario-berlin.de