Zwölf Stunden

Ein Tag am Meer

Nur die Wellen fehlen: Wer es mediterran mag, geht ins Strandbad Friedrichshagen am Müggelsee. Und kommt dann noch kurz die Sonne hervor, genießen die Gäste späte Sommergefühle

08:30: Tino Walter schließt das große schmiedeiserne Tor auf. Der Geschäftsführer des Strandbads Friedrichshagen ist immer als erstes hier, kontrolliert das Gelände und lässt die ersten Leute ein. Sein Partner Tobias Apelt kommt später. Heute wartet ausnahmsweise kein Frühschwimmer am Tor zum Müggelseedamm. "Unsere Stammgäste kommen wohl etwas später."

09:20: Familie Geigerhilk ist aus Thüringen angereist, um einmal mit einem Floß rund um die Müggelberge zu fahren. Mandy Steinbock vom Strandbad erklärt ihnen, was Siiri, Dirk und Markus beim Fahren des fünf PS starken Holzboots beachten müssen. "Alle Boote ohne Motor haben Vorfahrt." Segler oder Kanuten zum Beispiel. Einen Führerschein muss man für eine rund 110 Euro teure Floßtour nicht haben. Die Geigerhilks haben das Gefährt für einen Tag gebucht. Man kann auf den kleinen Hausbooten auch übernachten. Sogar eine Chemietoilette ist darauf. "Gut, dass es schönes Wetter ist", sagt Dirk Geigerhilk. "Wir wollten auch baden gehen."

10:45: Die Tretboote im Verleih sollen stets glänzen. Das ist die Aufgabe von Strandbad-Mitarbeiter Hashin Mwendo. Der 29-Jährige springt vom hölzernen Steg auf ein blau-beiges Boot und beginnt, zu polieren, entfernt dabei Blätter und Schmutz. Zum Glück hat es gestern nicht geregnet. Sonst müsste Hashin Mwendo das Wasser in den Fußräumen ausschöpfen. "In diesem Jahr habe ich das schon oft machen müssen."

12:05: Am Strand macht es sich ein Schwanenpärchen im Sand gemütlich. Die umliegenden Badegäste stören die weißen Tiere wenig. "Seit einer Woche sind die beiden da", sagt Reinmar. Sie seien fast schon Maskottchen. Dem einen Schwan hat der Pink Floyd-Fan bereits einen Namen gegeben. "Ich nenne ihn Floyd Council, nach dem Blues-Musiker." Für die Schwäne bietet das Strandbad paradiesische Zustände. Wenn die Temperaturen steigen, färben in der kleinen Friedrichshagener Bucht die vielen Grünalgen das Wasser. "Für die Badegäste ist das nicht bedrohlich, wir kontrollieren hier auch regelmäßig die Wasserqualität und testen auf die giftigen Blaualgen", sagt Geschäftsführer Tino Walter. Und die zwei Schwäne freuen sich gewiss über reichliches Fressen.

12:55: Aus dem flachen, gelben Gebäude neben den Toiletten dringt ein lautes Geräusch. Strandbad-Praktikant Max Klämbt schleift die Bar-Stühle ab, die sonst am Imbiss für die Gäste bereitstehen. "Ich erledige im Strandbad alle anfallenden Arbeiten", sagt der 17-Jährige. Am liebsten Tischlerarbeiten. Im Herbst beginnt er eine handwerkliche Ausbildung. Für Co-Geschäftsführer Tobias Apelt ist der erste Praktikant des Strandbads bereits unverzichtbar. "Wir sind sehr zufrieden. Max wird sicher nicht der letzte Praktikant sein", sagt er.

14:12: Sebastian Rach wackelt auf dem langen Board im Wasser noch ein bisschen. Auch mit dem großen Paddel kommt der 30-Jährige noch nicht richtig klar, das Leihboard vom Strandbad driftet nach links, gefährlich nahe an die Uferbefestigung heran. Einen Unfall kann er aber gerade noch abwenden. Wie sein 18-jähriger Bruder Hannes steht er auf einem Brett, hält eine Paddel in der Hand und versucht damit auf dem Wasser vorwärts zu kommen. "Stand-Up-Paddeln" wird die Trendsportart genannt. Nur fünf Minuten nachdem Sebastian Rach in See gestochen ist und die Anfangsschwierigkeiten hinter sich gebracht hat, ruft er ans Ufer: "Ist total einfach." Nach einer Viertelstunde darf er auch wieder an Land. Eine stundenlange Tour über den Müggelsee, wie sie Hannes Rach manchmal unternimmt, ist da schon anstrengender. "Da habe ich dann am nächsten Tag Muskelkater", sagt er.

15:30: Er ist der David Hasselhof des Strandbads Friedrichshagen. Lässig sitzt Rettungsschwimmer Bernd Kevin Neumann vor seinem Wachturm in einem Stuhl und beobachtet die Schwimmenden, wie der US-amerikanische Schauspieler in der Serie "Baywatch". Keine besonderen Vorkommnisse bis jetzt. Bernd Kevin Neumann hat jeden einzelnen der Köpfe im Blick, die vor ihm aus dem Wasser ragen. Das lerne man gleich zu Anfang der Ausbildung, sagt der Bademeister. Ist es voll, hilft ihm Hashin Mwendo, der ebenfalls Rettungsschwimmer ist. "Dann teilen wir den Schwimmerbereich auf und wechseln uns ab." Das sei wichtig, damit die Konzentration nicht nachlässt. In den drei Jahren hatte Bernd Kevin Neumann drei Einsätze. Zweimal rettete er Kinder, die nicht mehr vorankamen. "Einmal ist ein Mann mit einem Tuch in der Hand vom Fünf-Meter-Brett gesprungen." Das habe sich unter Wasser um seinen Kopf gewickelt und er habe Hilfe gebraucht. Da war Bernd Kevin Neumann sofort zur Stelle.

16:07: Nach Urlaub riecht es, wenn sich unter die Sonnencreme-Schwaden ein intensiver Duft nach Frittierfett mischt. Pommes gehören zum stilechten Badbesuch einfach dazu. Imbiss-Chef Reinmar (50) hat ein paar Portionen der Kartoffelstäbchen gerade in die Friteuse getan. Es zischt und brodelt in der kleinen Imbiss-Küche. "Es ist das am häufigsten verkaufte Essen hier", sagt Reinmar. Neben Gummischlangen für zehn Cent in grün und gelb. "Die Kinder lieben das."

17:00: Um ins Strandbad Friedrichshagen zu gelangen, haben die Studenten Jannik und Dascha den langen Weg aus Steglitz zurückgelegt. "Wir besuchen hier aber auch eine Freundin." Das Strandbad Friedrichshagen finden die beiden zwar etwas klein, aber: "Wenigstens ist hier nicht so voll wie an den Seen im Westen." Nachdem sich die beiden einen Platz in der Sonne reserviert haben, gehen sie ins kühle Wasser, froh, sich endlich erfrischen zu können.

18:45: Das Telefon von Geschäftsführer Tobias Apelt klingelt. Wahrscheinlich zum hundertsten Mal am heutigen Tag. Er ist zusammen mit seiner Frau Jule für die Organisation der Veranstaltungen im Strandbad Friedrichshagen zuständig. Unter den Anrufern sind dieser Tage häufig Eltern, die sich für den bevorstehenden Familientriatlon am 11. September anmelden wollen. Dabei müssen die Teams 250 Meter schwimmen, sieben Kilometer Radfahren und zwei Kilometer laufen. "Das ist für die meisten Teilnehmer überhaupt nicht so schwer. Schließlich soll es ja Spaß machen", sagt Apelt. Außerdem plant der Köpenicker derzeit noch das Friedrichshagener Wasserfest. Am 3. und 4. September soll es im Strandbad mit einer Segelregatta, einem Beachvolleyballturnier und anderen Events gefeiert werden.

20:30: Das Strandbad Friedrichshagen ist auch ein Veranstaltungsort. In einem Saal neben den Umkleiden finden häufig Hochzeiten, politische Podiumsdiskussionen und andere Events statt. Auch wenn die letzten Badegäste gerade gegangen sind, ist auf dem Gelände auch heute noch einiges los. "Ein Verband Gewerbetreibender trifft sich", sagt Tobias Apelt.