Film: Mein bester Feind

Lauter Fälschungen

Die Frage, warum die Deutschen den Zweiten Weltkrieg verloren haben, ist nicht letztgültig beantwortet. Analysiert man die Kinofilme der vergangenen Jahre, gibt es nur eine schlüssige These: Die Deutschen haben ihn verloren, weil sie ständig waschen mussten - Autos, Panzer, Hosen, Flaggen.

Bis alles in jeder Kriegslage so fabrikneu aussah wie in Wolfgang Murnbergers Tragikomödie "Mein bester Feind". An den Kübelwagen perlt der Regen in feinen Tropfen ab und der gestreifte KZ-Pyjama sitzt.

Aber nicht nur für diese These ist Murnbergers Film eine wichtige Handreichung, sondern auch für die, dass Komödien übers "Dritte Reich" eine komplizierte Angelegenheit sein können. Murnberger hätte man es zugetraut. In seiner Nazikomödie allerdings hat er das Muffensausen, dass er die meisten seiner Pointen verschleppt, vernuschelt, was zur Folge hat, dass man ständig an den falschen Stellen lacht. Oder sich nicht traut, weil man nicht genau weiß, ob die Pointe eine ist.

Aber die Geschichte ist ja auch gar nicht zum Lachen. Der Viktor und der Rudi wachsen in einer Villa in Wien auf. Österreich lässt sich gerade anschließen ans Deutsche Reich. Der Viktor ist Sohn der reichen jüdischen Galeristenfamilie Kaufmann, der Rudi ist Sohn der Kaufmannschen Hausbesorgerin. Er ist den Kaufmanns wie ein Sohn. Dann kommen die Nazis, und Rudi will auf die Butterseite des Lebens wechseln, wie er so sagt. Es gibt ja auch gute Nazis. Das will er beweisen. Kaum aber hat er die fein gebügelte Uniform an, will er mehr, Karriere machen und Viktors Freundin übernehmen. Was nicht so schwer fällt, weil Viktors Familie statt - wie versprochen - in die Schweiz entlassen ins KZ gesteckt wird. Der Vater stirbt, Viktor überlebt, wohl weil er eine Nahrungsquelle aufgetan hat, man hat jedenfalls selten einen properen Lagerinsassen gesehen als Moritz Bleibtreu.

Das Verwechselspiel, von dem "Mein bester Feind" handelt, dreht sich um ein Bild. Einen Michelangelo, den die Kaufmanns versteckt hielten und von dem nur Rudi was weiß. Die Deutschen wollen damit Mussolini friedlich stimmen. Rudi besorgt ihn, es ist eine Fälschung. Auf dem Weg nach Berlin wird die Maschine abgeschossen. Viktor schleift Rudi in ein Haus, streift sich Rudis Uniform über. Ein paar Momente hat der sich zu fahl um sich herumdrehende Reigen aber schon: Einmal steht Moritz Bleibtreu in Uniform vor dem Spiegel, man sieht, dass ihm gefällt, was er da sieht, und wie er erschrickt. Einmal stehen sich der falsche Jude und der falsche Nazi gegenüber: "Du Judensau! Du dreckiges Judenschwein, du!" schreit der Nazi im Lagergewand. Der Jude in der Uniform sagt: "Selber!"

Einmal muss der KZ-Nazi die Hosen runter lassen, weil sich im Schritt erst zeigt, wer der wahre Jude ist. Dumm, dass Klein-Rudi unter Vorhautverengung litt, was mittels Beschneidung geheilt werden musste. Vor lauter Fälschungen wird der Film allmählich selber eine. Kaum eine Beziehung, kaum eine Figur kommt über den Status einer Behauptung hinaus. Alle sind ungefähr so echt, so gebügelt, gewaschen, wie die Autos, die Panzer, die Flaggen, die Hosen. Für eine Farce wäre das fein. Aber die will Murnbergers falscher Hase von Film nicht sein.

Tragikomödie: Österreich/Luxemburg 2011, 109 Min., von Wolfgang Murnberger, mit Moritz Bleibtreu, Georg Friedrich, Ursula Strauss

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