Berliner Perlen

Krümelmonsters Lieblingsladen

Kekse - das klingt nach Krümelmonster, Backen mit Kindern und nach Weihnachten. Und vielleicht genau deswegen auch nach einem Erfolgskonzept in Prenzlauer Berg. Wo sonst kann man mit ungewöhnlichen Nischen-Ideen erfolgreich ein Geschäft eröffnen? Das war auch Barbara Thoma klar, als sie im vergangenen Jahr nach einem Laden suchte, um ihr Geschäft "Kekstraum" zu eröffnen.

"In Spandau, wo ich wohne, würde ein Laden, in dem es nur Kekse gibt, nicht funktionieren", sagt die gebürtige Tegelerin.

Gebacken hat Barbara Thoma schon als kleines Mädchen gerne. Ihr Lieblingsgeschäft war damals ein Küchenladen, in dem es viele verschiedene Ausstechförmchen gab. Seit ihrem dritten Geburtstag schenkte sie ihrem Stoff-Elefanten alljährlich eine neue Plätzchenform. "Mittlerweile hat der Elefant ziemlich viele Förmchen. Glücklicherweise leiht er sie mir ab und zu", sagt Thoma und lacht. Ein Tick ist der kleinen, schmalen Frau aus dieser Zeit geblieben: Jeder erste Keks, den sie aus einem Teig aussticht, ist ein Elefant.

Schon früh hieß es in Thomas Verwandtschaft: Du machst mal einen Keksladen auf. Dass das Wirklichkeit werden würde, glaubte sie nie so recht. Schließlich liebt sie nicht nur das Keksebacken. Sondern auch ihre Geige, die sie ins Bundesjugendorchester führte. Trotzdem entschied sie sich nach dem Abitur gegen ein Musik- und für ein Jura-Studium. "Mir schwebte ein Job im Auswärtigen Amt vor. Da hat Jura gut gepasst".

Jede Menge Jobs

Weil sich Thoma neben Keksen, Jura und Geige auch für Journalismus interessierte, trat sie ihren ersten Job in Berlin bei einem juristischen Fachverlag an. Anschließend ging es in den Bundestag, zum Wissenschaftlichen Dienst, wo sie unwissentlich eine der zahlreichen Ghostwriterinnen für die Guttenberg-Doktorarbeit war, sagt Thoma. Schließlich wurde sie Pressesprecherin des Renaissancetheaters. Eine bunte Palette an Jobs für eine Frau Anfang Dreißig. "Ich habe eben viele Interessen und wollte nie ein Fachidiot sein" sagt sie.

2010 war die Zeit reif für den lange erträumten Keksladen. "Ich hatte ein paar Rücklagen und Erfahrungen gesammelt", sagt Thoma. Also kündigte sie und machte sich auf die Suche nach passenden Räumlichkeiten. Nebenbei beobachtete sie, was die Konkurrenz so macht, bastelte eine Webseite, ein Facebook- und ein Twitterprofil, schieb einen Businessplan, ging auf Ämter und testete neue Keksrezepte.

Dann fand eine Freundin den Laden an der Lychener Straße. Barbara Thoma griff sofort zu. "Es war klar, dass meine Zielgruppe im Prenzlauer Berg lebt. Die Leute probieren gerne etwas Neues aus und zudem sind hier Touristen unterwegs." Viel musste Thoma nicht ändern, der Laden war vorher ein Café gewesen. Die Bar und die dunkelrote Farbe an der Wand blieben. Die Regale dekorierte sie mit ihren Tassen. Auf die Bar kamen große Gläser, in denen die frischen Kekse präsentiert werden. Tische und Stühle wurden weiß gestrichen, die Sitzkissen bekamen einen hellen Blümchenstoff.

Seit der Eröffnung im Dezember 2010 steht die Ladenbesitzerin jeden Tag außer dienstags um 5.30 Uhr auf, fährt von Spandau gen Osten und steht ab sieben Uhr in der kleinen Küche im hinteren Teil des Cafés. Dann wird gebacken. Jeden Tag mindestens fünf neue Sorten, das Stück zu 70 bis 80 Cent. Aber keine Standardware. "Vanillekipferl gibt es bei mir nicht", erklärt Thoma. Stattdessen: Aprikosenapfelraute mit Fenchelkrokant, Grüntee-Himbeer-Genuss oder Espressopiepmatz. Aber auch: Ananas-Schinken-Häppchen, Artischocken Olivianer oder Feuriges Petersilchen. Denn zur Mittagszeit sind pikante Keksvarianten im Angebot.

Die Rezepte für ihre Kreationen erfindet die Frau mit den langen, dunklen Haaren selbst. "Ein uraltes Cookie-Buch dient mir als Vorlage, aber ich habe mittlerweile so viele Kekse gebacken, da weiß ich einfach, was in welchen Teig kommt und was zusammen passt." Bestseller sind Sorten mit Schokolade und bunten Streuseln. "Kekse mit Cranberries sind ebenfalls ziemlich beliebt", sagt Thoma, die selbst am liebsten die Geschmacksrichtung Grüner Tee und Anis Spingerle schätzt.

Cookie-Catering

Von Beginn an gehörte auch die Idee des Caterings zum Konzept des Kekstraums. "Ich habe selbst so viele Stunden in Besprechungen mit schlechten, industriell gefertigten Keksen verbracht", sagt Thoma. Seit März beliefert sie nun auch Firmen und Feiern mit ihren süßen Leckerbissen. Die guten Kontakte in die Politik- und Kulturszene der Stadt und die gezielten Werbeaktionen helfen dabei. Der erste Catering-Kunde war gleich der Berliner Finanzsenator. Und unlängst hat Siemens eine kleine Order abgegeben. Zum Test. Wenn es schmeckt, haben sie angekündigt, wollen sie in Zukunft mehr bestellen. Wer möchte, kann im Kekstraum aber auch mit seiner eigenen Dose vorbeikommen und sie auffüllen lassen.

Ist sie denn nun angekommen in ihrem Kekstraum oder wird sie in zwei Jahren vielleicht doch noch Geigerin? "Nein, das hier ist mein Traum, das wollte ich immer machen, hier bleibe ich." Aber ein bisschen Veränderung muss auch in einem Kekstraum ab und zu sein und deshalb ist das Café seit Ende Juli auch eine kleine Galerie. Und neuerdings gibt es auch täglich einen frischen Kuchen. Immer nach einem geheimen Privatrezept natürlich.

Kekstraum Lychener Straße 6, Prenzlauer Berg, Tel. 34 72 34 00, Mo., Mi.-Sbd. 9.30-18.30 Uhr, So. 10-18 Uhr, Di. Ruhetag. Infos im Internet unter kekstraum.com .