Mein perfekter Sonntag

Entspannung mit Maus und Schaf

Für Schauspielerin Manon Straché ("Lindenstraße", "Girl Friends") ist vor dem Sonntags-Frühstück zunächst Bewegung angesagt. Gegen 9 Uhr morgens geht's mit Basecup und Sportdress samt Australian-Shepherd "Lucky" an der Leine von der Charlottenburger Giesebrechtstraße in Richtung Kurfürstendamm und zur Koenigsallee, bis zu einem Sägewerk. Dort führt ein breiter Weg in den Grunewald, auf dem es sich besonders gut laufen lässt.

"Vier bis fünf Kilometer jogge ich hier alle zwei Tage", sagt die Schauspielerin und erwidert fröhlich die Grüße vorbeilaufender Spaziergänger. Der zweijährige "Lucky" gehört einem befreundeten Ehepaar, von dem sich Manon Straché den Hund öfter mal ausleiht. Oder sie passt auf ihn auf, wenn die Besitzer unterwegs sind. "Er war auch schon mit im Theater, blieb ruhig in der Garderobe sitzen und wurde von allen Darstellern verwöhnt", sagt sie.

Nach dem Joggen ist die vielseitige Darstellerin (Fernsehen, Kabarett, Theater, Synchron) Stammgast im Café Richter an der Giesebrechtstraße , wo sie zum Frühstück zwei Eier im Glas, ein Brötchen und frisch gepressten Orangensaft bestellt. Sie liebt es, die Leute drum herum zu beobachten und trifft mitunter auch Schauspielerkollegen, wie unlängst Karin Baal.

Stoffschaf im Bett

Ein Blick auf die Armbanduhr - es wird höchste Zeit, das gemütliche Café wieder zu verlassen. In ihrer nahe gelegenen Maisonettewohnung im 4. Stock mit den zwei Balkonen und dem Blick über Berlins Dächer, springt die Schauspielerin unter die Dusche, zieht den flauschigen Bademantel an und legt sich aufs Bett. Es ist 11.30 Uhr, "Die Sendung mit der Maus" beginnt. Eine Zeit, die ihr sonntags heilig ist! "Auch Freunde wissen das und rufen mich beispielsweise um diese Zeit nicht an", erzählt sie.

"Shaun, das Schaf", eine der Figuren, die in den so genannten "Lachgeschichten" zum festen Bestandteil der TV-Kindersendung gehören, liegt als Kuscheltierkissen auf Manon Strachés Bett. "Ich habe diese Sendung bereits in der damaligen DDR gesehen. Es hat mich schon als Kind begeistert, wie man auf diese Weise Wissen vermitteln kann", erinnert sie sich. Mittlerweile ist es einfach eine lieb gewordene und feste Angewohnheit, am Sonntagvormittag für die "Sendung mit der Maus" auf dem Bett vor dem Bildschirm zu faulenzen. Was anderen der "Tatort" am Sonntagabend, ist der Schauspielerin halt die Kultsendung am Vormittag.

Seit dem Jahre 2000 lebt Straché in Berlin, fühlt sich in dem Charlottenburger Kiez rund um die Giesebrechtstraße rundum wohl. "Ich mag die Gegend sehr, komme überall wunderbar zu Fuß oder mit dem Bus, der U- und S-Bahn hin, habe mein Auto inzwischen abgeschafft." Berlin sei unheimlich schnell. "Der Berliner ist aber auch ein Genießer. Er macht's sich schön, was man bei Konzerten im Freien, zum Beispiel bei den Philharmoniker in der Waldbühne, beobachten kann." Straché schätzt auch die Schlagfertigkeit der Hauptstädter. "Nee heißt hier nee. Bei den Berlinern weiß man immer, woran man ist." Was sie vor allem fasziniert: "Dass in Berlin die Deutsche Geschichte so fassbar ist."

Manon Straché wuchs in der DDR auf. Am Abend der Maueröffnung stand sie in Leipzig auf der Bühne eines Kabaretts. Sie hatte auch an den Montagsdemonstrationen teilgenommen, die das Ende der DDR einleiteten. "Ich möchte dieses Leben in der DDR nicht noch einmal haben, bin aber froh, dass ich bei den Friedens-Demos dabei war."

Wohnen am Drehort

Bereits 1985 durfte sie mit einem Kabarett-Gastspiel "für Angehörige der Reichsbahn" in den Westteil Berlins fahren. "Damals machte ich einen Kniefall vor dem Kurfürstendamm-Theater. Wer da alles spielte! Von Juhnke bis Pfitzmann. Nie im Traum hätte ich daran gedacht, dass ich hier eines Tages selbst auf den Brettern stehen würde." Nach dem Fall der Mauer lebte sie zunächst in Köln ("Lindenstraße") und in Hamburg ("Girl Friends"). Berlin jedoch habe sie seit dem ersten Gastspiel 1985 "nie wieder losgelassen".

Den Sonntagnachmittag verbringt sie am liebsten mit einem Schaufensterbummel an der Charlottenburger Suarezstraße , um sich Antiquitäten anzusehen. Sie freut sich schon auf die "Antikmeile" Anfang September. Ganz in der Nähe lockt anschließend der Einkauf beim Rossia Imbiss & Supermarkt am Stuttgarter Platz . Am Eingang des russischen Ladens lockt eine große Auslage mit Obst und Gemüse. "Hier ist durchgehend geöffnet. Sogar nach dem Theaterspielen kann ich hier noch sonntagnachts einkaufen", sagt Straché. So mancher Sonntagabend klingt bei ihr beim Kochen und Essen mit Freunden aus. "Jeder bringt dann Zutaten mit." Oft rundet ein Besuch in der Bar Bei Mo am Kurfürstendamm den Sonntagabend ab. Schauspieler Horst Buchholz war dort einst Stammgast. Er hat Manon Straché nach gemeinsamen Dreharbeiten ebenfalls für die Bar begeistert.

Sie genießt jede freie Minute in ihrer Wahlheimat Berlin. Gerade erst drehte sie in Köln die neue ARD-Serie "Richter und Henker". Vom 1. September an spielt sie eine Episodenhauptrolle in der ZDF-Reihe "Soko Stuttgart". Ab dem 13. September steht sie im Theater am Kurfürstendamm in "Kalender Girls" auf der Bühne. "In Berlin leben und zugleich arbeiten, das ist natürlich der Idealfall."

"Bei den Berlinern weiß man immer, woran man ist"

Manon Straché, Schauspielerin