Kleine Entdeckungen

Turm ab für die Flieger

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Nicht so im Neukölln des Jahres 1912. Der Name Neukölln löste damals die Bezeichnung Rixdorf ab.

Die Stadtoberen hofften auf einen Imagewandel für den als kriminell verschrienen Ort, der 1920 Berlin eingegliedert wurde. Rixdorfs Bürgermeister Hermann Boddin hatte bereits als Gegenpol zur Arbeitersiedlung auf den Rollbergen ein Wohnquartier für Besserverdienende entwickelt: Um 1900 entstand der Schillerkiez mit einer zentralen Promenade. Zur Fertigstellung um 1908 wurde er als schönste Wohngegend Rixdorfs bezeichnet. Mittelpunkt ist die 1906 erbaute Genezarethkirche mit ihrem Stummelturm: Der ursprünglich spitze Turm war wegen des Flugverkehrs zum Ex-Tempelhofer-Feld abgebaut worden. Doch Kriege, die Teilung der Stadt und die Zeit hinterließen Spuren. 1990 wurde der Kiez zur Stadterneuerung vorgesehen. Privatmodernisierungen folgten. Die Mieten stiegen so rasant, dass das Bezirksamt per Erhaltungsverordnung das Bild der Schillerpromenade schützen wollte. Seit dem Jahr 1999 arbeiten dort Quartiersmanager. Nachdem der Flughafen geschlossen wurde, könnten die Mieten weiter steigen. Die Wohnqualität vielleicht auch. Nur die Zukunft der Turmspitze ist offen.