Ausflugstipp

Helden und Ruhm, Rosen und Liebe im Treptower Park

Wenn der dunkle, durch den dicht und hoch bepflanzten Park führende Zugangsweg endlich auf die große Freifläche des sowjetischen Ehrenmals in Treptow trifft, ist der Eindruck stets gewaltig. Schon vorher hat das Eingangsportal den Besucher auf das, was ihn erwartet, eingestimmt.

"Ewiger Ruhm den Helden, die für die Freiheit und Unabhängigkeit der sozialistischen Heimat gefallen sind." Große Worte, großes Pathos. In den letzen Kriegswochen, lesen wir auf der Info-Tafel, kamen in und um Berlin 22 000 sowjetische Kämpfer ums Leben, allein hier in Treptow liegen 7000 von ihnen. Die Anlage folgt ganz der Logik der monumentalen Heldenverehrung. Kaum merklich, aber psychologisch geschickt, steigt der Vorplatz an, um dann die Sicht auf den riesigen, in einen bis auf den Boden reichenden Mantel gehüllten Soldaten freizugeben, der mit dem Schwert das Hakenkreuz zerschlagen hat und ein gerettetes Kind im Arm trägt. Eine perfekte Inszenierung. Auf einer Gedenkplatte liegen verdorrte Blumen. Das Mahnmal, immerhin, ist ein in sich schlüssiges Gesamtkunstwerk, bewacht von mehr als tausend handtellergroßen, in den langen Gitterzaun eingearbeiteten Sowjetsternen.

Fast wie eine Erlösung und ganz wie ein Kontrastprogramm wirkt der charmante Rosengarten des Treptower Parks gleich nebenan. Derzeit ist zwar wegen Bauarbeiten ein Teil eingezäunt, doch bleibt der Blick frei auf all die Rosen und anderen Pflanzen, die mal stramm strahlend, mal in eher welkender Grandezza Auge und Gemüt erfreuen. Die Fontäne verbreitet Heiterkeit, etwas versteckt erinnert eine Plastik an die X. Weltfestspiele von 1973, die später auch als "Rotes Woodstock" bezeichnet wurden. Vielleicht haben die Teilnehmer damals ja auch auf den Wiesen gelegen, heute nutzen den Park Jogger, Radfahrer, Liebespaare, man picknickt oder sitzt am Ufer und angelt. Am gegenüberliegenden Spreeufer sind traumhafte Häuser zu sehen, das neue, schicke Berlin.

Weiter am Ufer entlang führt uns der Spaziergang vorbei am Zennerschen Biergarten, wo ein Stück Kuchen und ein frisches Bier eigentlich Pflicht sind, und weiter unter hohen Bäumen und durch dichtes Gebüsch zum ehemaligen Vergnügungspark im Plänterwald. Das Areal ist abgesperrt, durch den Zaun sind noch Überbleibsel des 2002 geschlossenen Betriebs zu sehen. Schwäne, Bimmelbahnen, Riesenrad. Verstummt und verlassen ist das Reich der kleinen Attraktionen. Schmale Gleise schlängeln sich durch das Geistergelände, kein Zug mehr, kein Geschrei. Schnurgerade leitet uns die Kiehnwerderallee durch den tiefen, dunklen Wald. Wir freuen uns, am Baumschulenweg wieder auf die Stadt zu stoßen.