Gourmetspitzen

New Yorker Steak-Verehrung und das Geheimnis des Ofens

Eine viel zu lange Zeit wurde die Steakhouse-Kultur in Berlin nur von Systemgastronomie der Restaurant-Ketten geprägt. Jetzt ist die Hauptstadt-Gourmandise auch bei individuellen Premium-Grill-Restaurants für hochklassige Fleischeslust in Deutschland klar führend.

Meine beiden Favoriten waren bisher der Grill Royal, wo die Steak-Qualität eine sensationelle Entwicklung genommen hat sowie das Wilson's (im Crowne Plaza) mit seiner vorzüglichen American Prime Rib aus der Hochrippe geschnitten. Nun drängt eine weitere Premium-Adresse in diese Steak-Spitzengruppe: der Brooklyn Beef Club a der Köpenicker Straße.

In dieser wenig Appetit machenden Gegend vermutet man kaum ein von Ambiente, Atmosphäre und Produkt derart vorzügliches Restaurant. Der Inhaber, Alexander Schmidt-Vogel, ein erfolgreicher Medien-Agentur-Kaufmann, der unter anderem lange in New York wirkte, hat sich das Haus, verbunden mit einem kleinen Hotel, ursprünglich als Anlage gekauft. Dann entdeckte er seine große Liebe zu Edelgastronomie mit erstklassigem Gästestamm. Er ist heute jedermanns Gastgeber, kontrolliert die gleichbleibende Qualität und hat das Ambiente behutsam nach amerikanischem Vorbild zusammengefügt. Kompliment.

Wer New York kennt, könnte meinen, das Top-Steakhaus der Metropole, "Smith & Wollensky" sei jetzt mit verkleinerten Maßen nach Berlin übertragen worden. Das gilt auch für die Produktqualität und den sehr persönlichen Service. Das Ambiente wird nach Manhattan-Vorbild von Schwarz-Weiß-Porträts amerikanischer Persönlichkeiten an den holzvertäfelten Wänden geprägt, ansonsten dominiert klares minimalistisches Design. Ein Original von Helmut Newton ziert die Whiskybar, übrigens mit 150 Sorten im Angebot.

Der Gruß aus der Küche, das Amuse Bouche, bei meinem Besuch marinierte Langostinos mit einer Fenchel-Terrine. Die Vorspeisen stimmen den Gast vor allem auf die Gaumenfreuden erstklassiger Steaks ein. Mehr als einmal bin ich gefragt worden, was denn für mich besonders exzellente Steaks ausmachen. Die Fleischqualität ist natürlich Voraussetzung. Hier im Brooklyn Beef Club wird ausschließlich zertifiziertes Black-Angus-Beef aus Nebraska verarbeitet. Zweitens die Zubereitung. Da ist das Geheimnis der besonderen Klasse der in Deutschland recht selten genutzte South-Bend-Grillofen mit Temperaturen bis zu 850 Grad. Das garantiert eine krosse Außenpartie des Fleischs mit köstlichen Röstaromen, die ich so sehr liebe. Innen bleibt das Fleisch butterzart und nach Gästewunsch mit einem mehr oder weniger großen roten Kern, wer's mag auch fast noch roh. "Wer freilich sein Steak total durchgebraten haben will, muss woanders hingehen", pflegt der Eigentümer kompromisslos echte Steak-Kultur. Drittens ist der Cut, der Zuschnitt des Fleisches mitentscheidend. Bei Filets ist die Sache klar. Das bekommen sie überall. Aber Entrecote, Ribeye oder New York Strip und für den großen Hunger T-Bone und Porterhouse Steak, müssen gekonnt vorbereitet werden.

Die Beilagen sind gut gemacht, werden aber sämtlich extra berechnet, was ich stets kritisch anmerke, allerdings kundenfreundlich kalkuliert (vier bis zehn Euro). Das Gemüse wird nicht tot gegart, sondern kommt knackig auf den Tisch, die Fritten waren mit die besten, die ich in Berlin jemals serviert bekam und die Lieblingsbeilage der New Yorker, Hash Browns (besonders krosse Röstis), waren perfekt. Das gilt auch mehrheitlich für die acht herzhaften Saucen. Allein die Bearnaise sollte von frischem Estragon dominiert sein, was nicht der Fall war. Extraklasse sind die frittierten Zwiebelringe nach Louisiana Art. Beachtlich auch, wie die Küche ein Alternativangebot für Gäste schafft, die in der Fleischeslust allein nicht die selig machende Götterspeisung sehen. Die Salate sind köstlich, zum Glück nicht überwürzt, das gilt auch für die Tiger Prawns und den mit Safran und Kardamom parfümierten Thunfisch.

Komplett amerikanisch ausgerichtet ist die Dessert-Auswahl: der New Yorker Käsekuchen, Limonen-Pie, sowie Schokoladen-Souffles. Die Mousse-Variationen, in breiter Palette in Probierportionen offeriert, fielen leider eindeutig gegenüber der sonst so gelobten Küchenleistung ab.

Die Weinkarte ist mit Liebe zusammengestellt. Überzeugend die Breite der Cabernet-Sauvignon- und Merlot-Palette aus aller Welt. Der Spitzen-Bordeaux Canon-la-Gaffeliere des Grafen von Neipperg ist hier übrigens nicht teurer als im KaDeWe. Da genehmigt man sich doch gerne eine zweite Flasche.

Insgesamt ist das neue Restaurant für mich eine echte Empfehlung, ein Steakhouse, das ich auch ganz privat wieder besuchen werde.

Brooklyn Beef Club Köpenicker Straße 92, Mitte, Tel. 20 21 58 20, Mo.-So. 18-24 Uhr, Kreditkarten werden akzeptiert