Film

Panorama der Liebe: "Crazy, Stupid, Love"

| Lesedauer: 3 Minuten

Wie nachhaltig der Trott des Alltags die Ehe von Carl und Emily schon unterminiert hat, offenbaren sogleich die Blicke der Kamera unter die Restauranttische, mit denen Glenn Ficarras und John Requas Ensemblekomödie "Crazy, Stupid, Love" beginnt.

Während die Paare um sie herum sich offensichtlich in Schale geworfen haben und zumindest unter dem Tisch nicht voneinander lassen können, passiert bei Carl (Steve Carell) und Emily (Julianne Moore) nichts. Er trägt sogar die gleichen Turnschuhe, in denen er immer herumläuft.

Eigentlich sollte es Carl gar nicht sonderlich überraschen, dass Emily ihm mitteilt, dass sie die Scheidung will. Dennoch fällt er in diesem Moment aus allen Wolken und wird wenig später aus einem fahrenden Auto springen, nur um sich nicht weiter anhören zu müssen, wie Emily von ihrer Affäre erzählt.

In den Arbeiten von Glenn Ficarra und John Requa, die in Hollywood mit ihren Drehbüchern zu Filmen wie "Bad Santa" und "Die Bären sind los" von sich reden gemacht haben, liegt zwischen dem völlig Alltäglichen und dem gänzlich Außergewöhnlichen meist nur ein schmaler Grat. Die in ihrer Distanziertheit fast schon schmerzliche Szene im Restaurant und Carls gefährliche Flucht aus dem Auto seiner Frau sind insofern nur der erste Vorgeschmack auf eine tragisch angehauchte Komödie, die davon erzählt, wie nah Liebe und Irrsinn doch beieinander liegen. Also stürzen die beiden Filmemacher Carl von einer extremen Situation in die nächste.

Nun, wo er kein Haus und keine Familie mehr hat, zieht es Carl Abend für Abend in eine Single-Bar, in der er einsam an der Theke sitzt, einen Wodka-Cranberry nach dem anderen trinkt und jedem, der es nicht hören will, sein Leid klagt. Irgendwann kann der etwa 20 Jahre jüngere Jacob (Ryan Gosling), der die Bar jeden Abend mit einer anderen attraktiven Frau verlässt, es nicht mehr hören und sehen. Also nimmt er sich des anderen an und verwandelt ihn bald in eine etwas ältere Kopie seiner selbst. Doch das einzige Glück, das Carl sich vorstellen kann, liegt in den Armen seiner Familie.

Immer wenn sich Carl seiner Sehnsucht nach Emily und seinem Sohn hingibt, weicht der Wahnsinn der Erzählung einer wundervollen Magie. Wenn er dann heimlich den Rasen mäht und die Hecke schneidet oder einen Anruf von Emily entgegennimmt, gelingen Steve Carell und seinen beiden Regisseuren Augenblicke von überwältigender Intensität. In ihnen erfüllt sich das Versprechen auf eine erwachsene romantische Komödie, die ohne die Kindereien auskommt.

Aber das ist nur eine Seite dieses mit Figuren und Nebenhandlungen überladenen Films. Für sich genommen hat jede der Geschichten, die Ficarra und Requa zusammenführen, ihren Reiz. Am Ende bilden die einzelnen Teile zwar ein großes Panorama der Liebe und ihrer Macht, nur müssen die Filmemacher dafür leider zu viele Zufälle und dramaturgische Kniffe bemühen.

Komödie: USA 2011, 118 Min., von Glenn Ficarra, John Requa. mit Steve Carell, Ryan Gosling, Julianne Moore, Emma Stone

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