Kleine Entdeckungen

Die böhmische Breitseite

Kopfsteinpflaster, niedrige Häuser, hübsche, kleine Gärten: eine alte Siedlung. Damit rechnet man in Neukölln nicht. Der Ursprung liegt drei Jahrhunderte zurück

Im 18. Jahrhundert flüchteten evangelische Christen aus Böhmen nach Berlin, weil sie wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. 18 Familien siedelte Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. im heutigen Rixdorf am Richardplatz an. So entstand im Jahr 1737 das Böhmische Dorf, eine Kolonistensiedlung mit neun Doppelhäusern.

Die Häuser standen mit dem Giebel zur Straße, zwischen je zwei Häusern war ein Hof. Jede Familie bewohnte eine Haushälfte und beackerte einen halben Hof. Im Jahr 1848 fand die Idylle ein jähes Ende: Ein Knecht wollte einen Storch erschießen. Sein brennender Pfeil landete auf dem Strohdach. Dies fing Feuer, die Siedlung brannte ab.

Dank harter Arbeit und vieler Spenden konnten die Häuser im darauffolgenden Jahr wieder aufgebaut werden. Die Bewohner errichteten sie ohne Stroh, ganz so wie sie es aus Böhmen kannten: mit der Breitseite zur Straße. Nur die Nummer 80 steht wieder wie ehemals, mit dem Giebel zur Fahrbahn. Authentisch wie seine Bewohner, die Familie Motel. Sie sind direkte Nachfahren der Glaubensflüchtlinge.