Bühnencheck

Mit Schwejk durch den Sommer

Bei diesem klimatisch verhagelten Sommer wäre ein wenig kulturelle Abwechslung an kühlen Abenden höchst willkommen. Leider sind nahezu alle großen Häuser wegen der Theaterferien geschlossen.

Nur eine Bühne trotzt wie eh und je dem sommerlichen Schließ-Automatismus: Das Theater am Kurfürstendamm spielt als Wiederaufnahme den Schelmenstreich "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" nach dem Roman von Jaroslav Hasek.

Ursprünglich erschien Haseks satirischer Weltkriegsroman um den Prager Hundehändler Josef Schwejk ab 1921 als Fortsetzungsroman. Bereits die ersten beiden Kapitel in Heftform waren ein durchschlagender Erfolg. Die Leser liebten Schwejk, der übertriebenen Patriotismus und Militarismus durch die buchstabengetreue Ausführung von Gesetzen lächerlich machte. Doch erst mit der 1927 entstandenen Bühnenfassung des sächsischen Satirikers Hans Reimann und des Schriftstellers Max Brod trat der Roman seinen internationalen Siegeszug an.

Die Inszenierung von Klaus Gendries ist durch einen Prolog und Lieder des Kabarett-Urgesteins Peter Ensikat politisch aktualisiert worden, was fast zur Nebensache gerät, da Publikumsliebling Walter Plathe einmal mehr in seiner Paraderolle des kleinen Mannes zu sehen ist. Mit seinem pfiffigen Schwejk beweist er sein großes Können als Volksschauspieler. Ihm zur Seite steht die wunderbare Maria Mallé in verschiedenen Rollen. Ein perfektes Bühnendoppel und eine gewaltige Herausforderung für jedes Zwerchfell. Denn Lachen steht an erster Stelle bei den anarchischen Umtrieben des braven Schwejk, der quasi zum Soldaten-Dasein gezwungen wird. Das Schlitzohr, dem eigentlich per ärztlichem Attest Dummheit bescheinigt wird, entlarvt dabei mit viel Witz und scheinbarer Naivität die Borniertheit seiner Vorgesetzten. Schwejk ist unbedingt autoritätsgläubig, wodurch er jede Autorität subversiv untergräbt. Und sei es auch einfach durch seine permanent gute Laune.

Theater am Kurfürstendamm Kurfürstendamm 206, Charlottenburg, Tel. 88 59 11 88. Bis 4. 9., außer 30.8., Di.-Sbd. 20 Uhr, So. 18 Uhr.