Gourmetspitzen

Zur Curry-Wurst wird ein Glas Champagner gereicht

Es passiert mir so gut wie nie, dass ich in einem Restaurant alles hundertprozentig perfekt oder komplett miserabel antreffe. Am häufigsten erlebe ich ein "Sowohl-als-auch". Ein geradezu typisches Restaurant dieser zwar ordentlichen, aber gewiss nicht aufregenden Klasse ist das Restaurant Duke im Hotel Ellington.

Kurz nach der Eröffnung fand ich mehr Schwachstellen im Küchen-Programm als positive Elemente. Heute halten sich Plus und Minus die Waage, allerdings mit angenehmen Ausschlägen nach oben.

Der damals ungeschulte Service hatte mich eher amüsiert, bei meinem aktuellen Besuch wollte es die junge Bedienung besonders gut machen, aber ging mir mit ihrer permanenten Fragerei nach jedem Bissen, wie es denn sei, wie es denn schmecke usw., so richtig auf den Wecker. Auch eine ausgewogene Gästepflege gehört eben zum Schulungsprogramm.

Das täglich geöffnete Restaurant, das Lunch und Dinner anbietet, ist ansonsten erkennbar gut durchorganisiert. Unkompliziert, einfach und schnell geht es beim Business-Lunch zu. Statt Tischdecken sind Tischläufer ausgelegt. Abends wirkt das Ambiente hochklassiger. Mittags wie abends beginnt die Mahlzeit mit frischem, sehr gutem Brot, wo häufig in der Stadt doch blasses Industrie-Baguette dominiert. Das folgende Thunfisch-Tatar war ebenso perfekt gewürzt wie der gebratene Heilbutt. Und, um beim Lunch zu bleiben, sonnabends von 11.30 Uhr an bekommt der Gast eine ungewöhnliche Verbeugung vor Alt-Berlin serviert: eine original Berliner Curry-Wurst mit einem Glas eisgekühltem Champagner (zwölf Euro für die Kombination). Kompliment: erstklassig.

Im Gegensatz zur Lunch-Zeit steht ab 18 Uhr das mit 59 Euro kundenfreundlich kalkulierte große Fünf-Gang-Menü auf dem Programm. Die Gerichte wie warme Hummermedaillons auf geräucherter Störbrandade (Mousse), Saiblingskaviar und geschmacklich unverfremdete Hummercreme oder das Rotbarbenfilet mit Austern-Safranschaum auf Kräuterrisotto sind gekonnt zubereitet. Für den Monat August hat Küchenchef Carsten Obermayr ein paar freche Kombinationen auf dem Zettel: Matjeshering mit Sauerrahm, Kaviar und Avocado, ein gebratenes Barschfilet mit Zimt auf Safran-Tomate. Wahrlich nicht alltäglich, auch nicht unbedingt mein Fall, aber die Gewürzverbindungen passen. Obermayr führt gerne mediterrane und asiatische Elemente zusammen und schafft es, was ich immer begrüße, nicht mehr als drei dominante Aromen auf einen Teller zu bringen.

Die Karte ist zum Glück klein gehalten, so kann sich Obermayr auf die Qualität der einzelnen Gerichte konzentrieren. Es ist gewiss kein Angeln nach gastronomischen Sternen, das scheint mir hier auch nicht angestrebt, aber alle Gerichte, die serviert werden, sind von guter Produktqualität und handwerklich sauber ausgeführt.

Die À-la-carte-Vorspeisen werden, dem Namen und Ambiente des Ellington-Hotels angepasst, originell in Classic und Jazz gegliedert. In der Zubereitung und Zusammenstellung kann ich da freilich nicht unterscheiden. Gebratene Jacobsmuscheln, Terrine von gebratenem Gemüse oder Kalbsbries sind für mich eher Klassiker, stehen aber unter dem Stichwort Jazz. Unter dem Begriff Classic wird von Austern bis zu den Sommersalaten alles zusammengebracht, man darf auch sagen: "gewürfelt". Das Dessert-Angebot ist bescheiden: Die allerorts übliche Crème Brûlée, ein Kokosparfait, Schwarzwälder Kirsche, das ist alles. Ich wählte darum eine richtig appetitliche Käseauswahl, vom Tölzer "Kasladen" geliefert.

In der offenen Küche wird auf engstem Raum ordentlich gearbeitet. Und, das gefiel mir besonders; die Montur der Köche war blütenweiß. In letzter Zeit habe ich leider ein paar Mal in Restaurantküchen das Gegenteil erlebt.

Ein Wort noch zum coolen, gelungenen Ambiente. Das Ellington Hotel an der Nürnberger Straße (im alten Haus Nürnberg aus den 30er-Jahren) wurde konsequent gestaltet. Das gilt auch für das Restaurant Duke, frei nach Duke Ellington, der in den 50er-Jahren im Berliner Jazz Club "Badewanne" spielte. Wichtigste Dekoration sind die für mich immer beglückenden, gut gefüllten Weinregale.

Das schafft die Gedankenverbindung zur Weinkarte. Die reicht über Deutschland und Österreich weit hinaus, bietet ordentliche Burgunder und Mittelklasse-Lagen aus Bordeaux, dazu ein paar Spitzenweine, alles zu sehr fairen Preisen. Der erstklassige Pauillac Pichon Longueville Comtesse de Lalande, wird kaum teurer als in Weingeschäften offeriert. Die exzellente Weinkarte ist gewiss ein Verdienst des Hausherrn Ekkehard Streletzki, für den Wein auch ein Teil persönlicher Lebensphilosophie ist.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost

Duke Ellington Hotel, Nürnberger Straße 50-55, Schöneberg, Reservierung und Information unter Tel. 683 15 40 00, täglich geöffnet von 11.30 bis 23 Uhr, ellington-hotel.com