Mein perfekter Sonntag

Alles - bloß kein Freizeitstress

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Kirsten Schiekiera

Ein paar Sonnenstrahlen, guter Kaffee, Bergkäse und ein selbst gerührter Joghurt mit frischen Blaubeeren - viel braucht es nicht, damit Gabriele Maessen perfekt in den Sonntag starten kann. "Ein gemütliches Frühstück am Wochenende ist mir heilig", sagt die Hoteldirektorin.

Bei gutem Wetter steht der Frühstückstisch auf ihrer Dachterrasse in Schöneberg, von der aus sie den Kudamm und das Rathaus Schöneberg sehen kann. Fast alles, was auf den Frühstückstisch kommt, hat sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Vincent sonnabends auf dem Markt gekauft. "Ich liebe den Winterfeldtmarkt ", sagt sie. "Man bekommt dort die frischesten Sachen und die Auswahl ist einfach großartig." Freizeit ist ein kostbares Gut für die Hoteldirektorin. Deshalb dürfen die freien Stunden auch ein wenig zelebriert werden.

Spaziergang über den Flohmarkt

Mindestens zehn, oftmals aber zwölf und mehr Stunden dauert ein ganz normaler Arbeitstag im Hotel Leonardo Royal in Friedrichshain, das Gabriele Maessen leitet. Das Vier-Sterne-Superior-Haus in der Otto-Braun-Straße verfügt über 346 Zimmer, 95 Mitarbeiter sorgen für das Wohl der Gäste. "Vor 10 Uhr abends komme ich unter der Woche selten nach Hause, aber das ist völlig normal in unserer Branche", erklärt die Managerin. "Am Wochenende möchte man dann einiges nachholen und muss darauf achten, dass kein Freizeitstress aufkommt." Bei schönem Wetter zieht es sie sonntags nach dem Frühstück zunächst zu einem Spaziergang auf den Flohmarkt am Rathaus Schöneberg . "Ich bin kein typischer Flohmarkt-Hunter und habe bisher nur selten etwas gekauft", gibt Gabriele Maessen zu. "Ich finde es einfach toll, mir die Stände anzuschauen und die Atmosphäre zu schnuppern."

Im Jahr 2004 kam die Hoteldirektorin nach Berlin. Zuvor hatte sie bereits in Budapest, Frankfurt, Madrid, Paris, Zürich und zuletzt wieder in Wien gelebt. "Hier in Berlin möchte ich bleiben", sagt die 45jährige, die fünf Sprachen spricht. "Mir gefällt die Weltoffenheit der Stadt und ich finde es nach wie vor unglaublich, was hier alles los ist. Das kulturelle Angebot ist einfach überwältigend." Ihre erste Station in Berlin war das Adlon, später leitete sie in Doppelspitze das Westin Grand. 2007 bekam sie das Angebot, das neue Berliner Haus der israelischen Hotelgruppe "Leonardo" zu leiten. "Berlin ist ein schwieriger Markt, weil es hier, anders als beispielsweise in München, enorm viele Hotels gibt. Und ständig kommen neue hinzu", sagt Gabriele Maessen.

Sie muss nicht lange überlegen, was für sie das beste Mittel zum Abschalten ist: Golf spielen. "Mein Mann und ich haben vor acht Jahren, kurz bevor wir nach Berlin kamen, angefangen zu golfen und spielen ungefähr auf dem selben Level", erzählt die Hoteldirektorin. Am liebsten fährt das Ehepaar auf den Märkischen Golfclub in Phöben bei Werder . Etwa vier Stunden dauert eine Partie. Genug Zeit, um Großstadt und Berufsalltag komplett hinter sich zu lassen.

Bewegung an der frischen Luft macht, wie jeder weiß, hungrig. Gerne kehrt sie deshalb mit ihrem Mann ins Restaurant Renger-Patzsch in der Wartburgstraße ein. Namensgeber des elsässischen Restaurants ist der Landschaftsfotograf Albert Renger-Patzsch, dessen Schwarz-Weiß-Fotos die holzgetäfelten Wände verzieren. Das Ecklokal, das früher Storch hieß, ist längst eine Schöneberger Institutionen. Der Flammkuchen ist weit über die Grenzen des Bezirks bekannt. "Den Flammkuchen esse ich natürlich sehr gerne, genauso gerne nehme ich aber etwas Saisonales von der Tageskarte", sagt Gabriele Maessen und fügt lachend hinzu: "Außerdem gefällt es mir als Österreicherin natürlich, dass es hier einen guten Grünen Veltliner gibt." Die Wiener Heurigen-Lokale und die Berge seien das Einzige aus ihrer österreichischen Heimat, das sie in Berlin wirklich vermisst.

Ein Cocktail nach dem Opernbesuch

Als Opernfan kommt Gabriele Maessen in einer Stadt, die sich drei Opernhäuser leistet, dagegen voll auf ihre Kosten. Einen perfekten Sonntag würde sie deshalb im Idealfall mit einem Besuch in einem der Musiktheater abschließen. Da bis in den Spätsommer hinein Theaterferien sind, muss sie sich aktuell mit ihrer CD-Sammlung und der Planung der "Operngespräche" begnügen. Die Veranstaltungsreihe, bei der Intendanten, Sänger, Regisseure und Musiker vor Publikum über ihre Leidenschaft und neue Inszenierungen reden, wurde vor Jahren im Hotel Adlon ins Leben gerufen. "Da ich mich bereits als Kind für die Oper begeistert habe und hier in Berlin über die entsprechenden Kontakte verfügte, konnte ich die Veranstaltungsreihe zunächst ins Westin Grand und dann ins Leonardo Royal mitnehmen", freut sich die Hoteldirektorin, die Klassiker wie "La Traviata" aber auch moderne Stücke liebt.

Manchmal, nur selten, gönnt sie sich nach dem Opernbesuch noch einen Cocktail in einer Bar. "Aber die sollte unbedingt auf dem Nachhauseweg liegen", findet Gabriele Maessen. Die Viktoria-Bar in der Potsdamer Straße und das Green Door in der Winterfeldstraße gehören zu den Adressen die sie in diesen Fällen bevorzugt ansteuert. Ein Drink, auf keinen Fall mehr, sind an einem Sonntag spätabends erlaubt. Das Hotel, die Mitarbeiter und ein paar Hundert Gäste warten schließlich am Montagmorgen auf ihre Direktorin.

"Mir gefällt einfach die Weltoffenheit dieser Stadt"

Gabriele Maessen, Hoteldirektorin