Film: Geständnisse

Ach, es ist alles verloren

"War nur ein Witz": Dieser Satz wird oft fallen in "Geständnisse", und Erleichterung wird er nie bringen, sondern dem bösen Treiben seiner Figuren immer nur noch ein zynisches Sahnehäubchen draufsetzen. "Jedes Leben ist wertvoll", sagt da zum Beispiel ein begabter junger Mensch, kurz bevor er eine Bombe zündet, und dann: "War nur ein Witz."

Ach, es ist alles verloren bei dieser siebten Klasse einer japanischen Schule. Nicht einmal ein fundamental gütiger Lehrer namens "Werther" wird diese Welt verbessern können, wie sie der japanische Regisseur Tetsuya Nakashima hier in düsterer Opulenz ausmalt. Eine undurchdringliche Schülerschar simst und kichert und mobbt sich in einen Kokon ein, während vorne die junge Lehrerin Yuko Moriguchi (Takaku Matsu) mit dünner Stimme vor sich hin redet und die Schulmilch verteilt. Dann verkündet sie: Ihre vierjährige Tochter sei tot, zwei Schüler dieser Klasse hätten das Kind ermordet.

Um diesen unaufmerksamen jungen Dingern einmal beizubringen, wie man das Leben zu schätzen weiß, habe sie der Milch HIV-infiziertes Blut beigemengt - aber nur in den Portionen der beiden Täter, die sie nur "A" und "B" nennt. Sagt's und verabschiedet sich in die Ferien. In Sprüngen, Zeitlupen und Rückblenden entrollt sich nun ein makaberes Vexierspiel um die Motive der überzeichneten Personen, geschmeidig bebildert und ruckartig geschnitten wie ein Comic.

Wie Nakashima die Klasse zu einer Art Schwarm-Impertinenz zu choreografieren versteht, das bereitet auch im nächsten Kapitel zunächst ein böses Seh-Vergnügen, als nach den Ferien Lehrer "Werther" die wieder fröhliche Klasse übernimmt. Der ist aber selbst nur Teil des Racheplans, der Schicht für Schicht freigelegt wird. Blut, Rache, Kurznachrichten: Das tropft und irrwitzt nur noch todschick vor sich hin, obwohl "Geständnisse" im Gegensatz zu Nakashimas bonbonbunten "Kamikaze Girls" und "Memories of Matsuko" auf den Minimalismus Weiß (Milch) und Rot (Blut) vor Blaugrau und Schwarz beschränkt bleibt. Der Film war für den Auslands-Oscar nominiert und erhielt zahlreiche Preise. Dass er auf Sympathien stößt, liegt nicht nur an den gefälligen popkulturellen Referenzen. Auch die sozialpessimistische Aussage muss nicht mit allzu viel Gegenwind rechnen.

Drama: Japan 2010, 106 Min., von Tetsuya Nakashima, mit Takaku Matsu, Masaki Okada, Yoshino Kimura

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