Film: Nichts zu verzollen

Kleiner Witzverkehr

Es gibt Grenzen, an denen richtig was los ist. Beispielsweise die zwischen den USA und Mexiko, die von "Im Zeichen des Bösen" bis "No Country for Old Men" die Kulisse für manches düstere Drama lieferte. Und es gibt Grenzen, bei denen man sich fragt, warum es sie gibt.

Beispielsweise die zwischen Frankreich und Belgien, die vielleicht eines Tages verschwinden wird, wenn sich Belgien auflöst und die Franzosen ihre wallonischen Verwandten zwangsweise annektieren müssen, weil diese allein gar nicht lebensfähig sind.

Aber auch diese Grenze war ein Ort, an dem leidenschaftliche nationale Wallungen aufeinanderprallten und deren Bewacher notfalls scharf schossen - auf Drogenschmuggler oder aufmüpfige Grenzgänger aus dem anderen Land. Das erfährt man aus der Komödie "Nichts zu verzollen" von Dany Boon. Der hatte 2009 als Regisseur und Hauptdarsteller mit "Willkommen bei den Sch'tis" einen europaweiten Erfolg gelandet. Auch "Nichts zu verzollen" ist eine Farce über Vorurteile - damals ging es um den herablassenden Blick der Süd- auf die Nordfranzosen, diesmal geht es um die Minderwertigkeitsgefühle der französischsprachigen Belgier gegenüber dem Nachbarn im Süden. Diese Komplexe kompensiert der belgische Zöllner Ruben (Benoît Poelvoorde ) mit ausgeprägtem Franzosenhass. Im kleinen Grenzverkehr gibt es für ihn reichlich Gelegenheit, seine Abneigung gegen die "Camembertfresser" auszuleben - nicht nur, indem er flüchtigen französischen Drogenschmugglern in den Rücken schießt, sondern auch, indem er harmlose Bürger, die zum Tanken nach Belgien kommen, nackt in seiner Wache stramm stehen lässt.

Der Zoll spielt auf die gleiche Weise Schicksal, wie es die Post in den "Sch'tis" tat: Seine mächtige Bürokratie zwingt die Protagonisten zur Kooperation. Ausgerechnet Ruben muss Anfang der 90-er, als die Abschaffung der Grenzkontrollen näher rückt, mit dem französischen Zöllner Mathias (Dany Boon) die erste franco-belgische Zollbrigade bilden, die Schmuggler mit neuen Methoden jagen soll.

Das ist auch nötig , denn die alten Gewissheiten geraten ins Wanken: Eine Lady-Macbeth-Rolle spielt die französische Ehefrau eines belgischen Wirts, die ihren Gatten drängt, ihre Finanzprobleme durch Schwerstkriminalität zu lösen. Gegen solche Heimtücke hilft es den Zöllnern wenig, dass zu ihrer Ausrüstung eines der ersten ziegelsteingroßen Mobiltelefone gehört, für dessen Gebühren allein schon ein Großteil ihres Etats draufgeht. Daran und am Auftauchen der ersten Bürocomputer und wie Cyndi Lauper aussehenden Frauen, die Silvester 1992 in den Straßen tanzen, merkt man, dass man sich in einem historischen Kostümfilm befindet.

Aus tiefer Vergangenheit scheint auch der Humor zu stammen. Er erinnert an die amoklaufende Grimassenkomik von Louis de Funès, aber auch an die Kleinkriege von Don Camillo und Peppone. Man mag den engstirnigen Fiesling Ruben so gerne, weil er auf eine verquere Art Nostalgie nach einem Europa weckt, das noch nicht ganz so sehr in eine grenzüberschreitende Einheitssoße getunkt war, wie das von heute.

Komödie: Frankreich 2010, 102 Min., von Dany Boon, mit Benoît Poelvoorde, Dany Boon

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