Kleine Entdeckungen

Die Musiksklaven des Königs

Die Mohrenstraße ist über Berlins Stadtgrenzen hinaus am ehesten als Sitz des Bundesjustizministeriums bekannt. Ins dortige Umfeld preußisch anmutender Straßennamen scheint sie nicht recht hineinzupassen. Dabei ist ihre Bezeichnung eng mit Friedrich Wilhelm I. verbunden.

Den Namen hat die von Gründerzeithäusern und Plattenbauten gesäumte Mohrenstraße wegen afrikanischer Sklaven von der "Goldküste", dem heutigen Ghana. 1721 hatte Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. die Beteiligungen am internationalen Sklavenhandel veräußert und neben dem Verkaufspreis zwölf Sklaven, "Mohren" genannt, erhalten. Er verpflichtete die Männer im Heer. Sie waren, so die damalige Mode, prestigeträchtige Militärmusiker, und wurden an der heutigen Mohrenstraße untergebracht.

1902 bekam die Hauptstadt ein Untergrundnetz für den öffentlichen Nahverkehr. Auch das Regierungsviertel sollte angebunden werden. Architekt Alfred Grenander entwarf einen Bahnhof, er wurde Bahnhof Kaiserhof benannt, nach dem gleichnamigen, damals berühmten Hotel. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde die Station in der DDR wieder aufgebaut und in Thälmann-Platz umbenannt. Inzwischen heißt sie wieder Mohrenstraße.

( wei )