Kleine Entdeckungen

Das Gesicht in der Fassade

Auch wenn es mittlerweile weniger werden: Baulücken und Brachen gehören immer noch zum Berlin-Bild. Unübersehbar ist auch, dass die meisten der an diesen Stellen frei liegenden Hauswände von der Werbeindustrie genutzt werden.

Anders ist das an der Potsdamer Straße, der "Potse 151" in Schöneberg: An dem Haus prangt das riesige Porträt eines bärtigen Mannes meterhoch oben an der Wand. Nicht gemalt, nicht gesprayt, nein - im Juni 2011 aus der Fassade der Seitenmauer gekratzt. Der portugiesische Scratch-Art-Künstler Vhils aka Alexandro Farto arbeitet seit einigen Jahren erfolgreich mit dieser Technik. Ein Bildmuster wird auf die Wandfläche gebeamt, nachgezeichnet und dann aus dem Putz gekratzt. Fartos Porträts bebildern mittlerweise alte Fassaden in London, Moskau oder Italien (siehe http://alexandrefarto.com/). Nun hat er in der Reihe "Berlin Pioneers" das Berliner Fotografen- und Berghain-Türsteher-Original Sven Marquardt verewigt - zumindest so lange die Brache davor nicht bebaut wird. Ein sehenswertes Beispiel von Kunst im öffentlichen Raum, das gut zur Kunstmeile Potsdamer Straße passt. Oder sollte es eine Werbeaktion eines gewieften Grundstückseigentümers sein? In einer Stadt wie Berlin ist doch alles möglich.