Kleine Entdeckungen

Garagen gegen Neider

Hinter der vergitterten Einfahrt stehen 25 Garagen. Die lindgrünen Holzplanken tragen derart alte, schwarze Beschläge, dass die Vermutung naheliegt, es werde sich an der Senefelderstraße Ecke Stubbenkammerstraße in Prenzlauer Berg um ein denkmalgeschütztes Ensemble handeln.

Das ist korrekt. Nach und nach verschwinden die alten Garagenhöfe dort, wo die Grundstückspreise explodieren. Entstanden sind die meisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts - als ein Automobil noch als Luxusobjekt galt. In einem Arbeiterbezirk machte man sich mit diesem Wohlstandssymbol nicht nur Freunde. Das hat sich, man denke an die Brandanschläge in Kreuzberg, bis heute nicht geändert. Damals wurden Fahrer mit Steinen beworfen, Barrikaden auf den Straßen errichtet, Glasscherben oder Nägel auf der Fahrbahn verteilt. Die Autobesitzer waren angehalten, nachts nicht auf der Straße zu parken. Der Garagenhof an der Senefelder Straße entstand 1929/30. Mit der eingeschossigen Bebauung beauftragte die Firma Germania-Großgaragen den jüdischen Architekten Hans Jaretzki. Er nutzte mit den runden Ecken die Formensprache der neuen Sachlichkeit. Die Aufstockung zu Wohnzwecken entwarf 1935 der Architekt Hermann Mannkopf - Jaretzki befand sich schon im Exil.

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