Bühnencheck

Die neue Show im Chamäleon

Alles ist anders und doch hat sich nichts verändert - so könnte man den Wechsel an der Spitze des Chamäleon Theaters beschreiben. Denn pünktlich mit der neuen Show "Wunderkammer" tritt der 30-jährige gebürtige Hannoveraner Hendrik Frobel seinen neuen Job als Direktor des Varietés an und ist somit der Nachfolger von Anke Politz, die das Haus seit der Wiedereröffnung 2004 mit zeitgemäßen Produktionen bundesweit als führendes Varieté etabliert hat.

Nun übernimmt sie die Geschäftsleitung der Produktionsfirma Circle of Eleven und damit auch die künstlerische Leitung des Chamäleons.

Mit der ersten Produktion "Soap" landeten die Varieté-Spezialisten bereits vor fünf Jahren einen Bühnenhit und konnten sich damit auch international bestens positionieren. Ausgerechnet die neue Show unter der Ägide von Hendrik Frobel ist keine Eigenproduktion, trägt aber eine unverkennbar moderne, unkonventionelle Handschrift und schlägt eine Brücke nach Australien für weitere circensische Kooperationen.

Ersonnen vom australischen Regisseur Yaron Lifschitz, vereint "Wunderkammer" hinreißende Artistik mit Modern Dance, Vaudeville und Burlesque sowie Poesie und Komik. "Nouveau Cirque" nennen Lifschitz und seine Kompanie C!RCA die genresprengende, perfekt durchchoreographierte Kreation, die übrigens auch im englischsprachigen Original "Wunderkammer" heißt. Zumindest im ersten Teil des Abends versteht es das siebenköpfige Ensemble mit überraschenden Bildern und atemberaubender Akrobatik zu überzeugen, bevor der Show nach der Pause die Ideen ausgehen und man vergeblich auf weitere Highlights wartet.

Ohne Bühnenbild fast puristisch daher kommend, zaubern die Künstler aus angestaubten Zirkus-Trommelwirbel-Sensationen mit simplen Mitteln feine, großartige Momente. Etwa, wenn der todesmutige Sprung durch einen Reifen direkt auf dem Kopf zu enden droht oder wenn ein Kartentrick mit spektakulärem Gehabe richtig gut daneben geht. Es gibt eine Anzieh- und viele Auszieh-Nummern, sehenswerte Körperskulpturen und grandiose Hula-Hoop-Kunst. Die Show unterläuft auf verblüffende Weise alte Sehgewohnheiten bis hin zur kleinen Publikums-Schocktherapie. In manchen Momenten staunt man so sehr, dass man die Welt um sich herum glatt vergisst.

Chamäleon Theater Rosenthaler Str. 40/41, Mitte, Tel. 400 05 90. "Wunderkammer", bis 31.8. Di.-Fr. 21 Uhr, Sbd. 19 & 22 Uhr, 1.9.-31.12. Di.-Fr. 20 Uhr, Sbd. 19 & 22 Uhr, So 16.30 Uhr.

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