Berliner Perlen

Die wunderbare Welt der Aromen

Der Feigensenf schimmert in einem dunklen Goldton. Leicht säuerlich schmeckt er, dann süß und schließlich angenehm scharf. Beim Essen knirschen die Senfkörner und Feigenkerne ein ganz klein wenig zwischen den Zähnen. "Am besten schmeckt der Feigensenf zu Käse", erklärt Miriam Kebe, die die Senfsorte gemeinsam mit ihrem Ehemann Rüdiger entwickelt hat. "Zu Fleisch ist er natürlich auch wunderbar.

Aber unseren Kunden empfehlen wir, die Kombination von Käse und Süßem zu probieren, die in Deutschland noch ein wenig unbekannt ist." Wer weder Senf noch Feigen mag und trotzdem neue kulinarische Wege gehen möchte, dem empfiehlt Miriam Kebe zum Käse ein Rotwein-Gelee, das mit Thymian aromatisiert wurde. Zum Parmesan würde besonders gut das süße Oliven-Confit passen. Den exotischen Hagebuttensenf würde sie nicht zum Käse empfehlen. Der harmonisiert besser mit Pasteten und Sülzen.

Es ist eine kleine, feine Aromawelt, die Miriam Eva und Rüdiger Kebe in den letzten Jahren mit ihrer Manufaktur "Kebe living" erschaffen haben. In den Regalen ihres Ladens stehen etwa 100 selbst kreierte Produkte: Tapenaden, Chutneys, Gelées, Gewürzsalz, Kuchen im Glas und feine Essige. Alle Produkte schmecken höchst aromatisch und lassen den Zutaten - nahezu alle aus biologischem Anbau - viel Raum. "In unserem Feigensenf sind viele Feigen und viel Senf. Vergleichen Sie das mal mit den Gläsern, die man mitunter für viel Geld im Supermarkt kaufen kann", sagt Rüdiger Kebe. Massenprodukte aus den Supermärkten, die wenig Charakter haben und deren Entstehung Normalsterbliche ebenso wenig begreifen können, wie das Innere ihres Computers, sind dem Ehepaar ein Graus. Abgesehen von Produkten wie Wein, Olivenöl und Meersalz, wird alles in Eigenregie hergestellt.

Der Laden als Wohnzimmer

Das Geschäft liegt versteckt in einer ruhigen Seitenstraße in Lichterfelde-Ost, in der selbst die größten Optimisten nicht auf Laufkundschaft hoffen dürfen. An einem Vormittag unter der Woche geht es dort ruhig zu, sehr ruhig. "Genau das wollten wir auch", erklärt Rüdiger Kebe, der das Geschäft gerne als "Betriebswohnzimmer" bezeichnet. Die beiden leben mit der gemeinsamen Tochter über dem Laden. Freizeit und Arbeit vermischen sich so. "Es ist praktisch, wenn man beides miteinander verbinden kann", sagt Miriam Eva Kebe. Manchmal zieht es sie noch spätabends in die Küche, um im "Konvektomaten", einem professionellen Heißluftofen, ein neues Confit zu entwickeln.

Miriam Eva Kebe ist gelernte Hotelfachfrau und arbeitete früher hauptsächlich in Restaurant und Hotelküchen. Später ging sie in die Werbebranche und lernte dort ihren Mann kennen, der sich auf die Marketing-Beratung von großen Unternehmen spezialisiert hatte. "Welche Ausbildung wir absolviert haben, ist für das, was wir tun, viel weniger wichtig als unsere Herkunft", sagt Rüdiger Kebe. "Wir kommen beide aus Familien, in denen sehr gerne und sehr gut gegessen wurde." Miriam Eva Kebe ist gebürtige Münchnerin. Einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie jedoch in Südfrankreich, in der Gegend von Toulouse. "Die Gegend dort ist Genuss pur", schwärmt sie. Er ist gebürtiger Reinickendorfer und lebte als Kind in Schottland. Beide sind weit gereist, durch Asien, die USA und Nordafrika. Sie haben gut gegessen, Eindrücke gesammelt. Fruchtgelees zu kochen und Tapenaden, die französischen Olivenpasten herzustellen, war für die beiden eine Selbstverständlichkeit. Bei Freunden kamen die Küchen-Eigenproduktionen immer sehr gut an. Die Arbeit im Marketing-Bereich hätte ihr Spaß gemacht, versichert sie. Was fehlte, war etwas Eigenes und Kreatives. Und so verfestigte sich vor acht Jahren bei ihr der Gedanke, sich mit hochwertigen eigenen Produkten selbstständig zu machen.

Sitzt man mit den beiden zusammen, dann führt oft er das Wort. Sie dagegen hält sich ein wenig im Hintergrund. Das wundert ein wenig, weil ihr Name in großer Schrift auf jedem einzelnen der Gläschen groß gedruckt zu lesen ist. "Das liegt daran, dass das Unternehmen zunächst nur mein Baby war", meint sie. "Aber dann wurde alles sehr schnell größer als gedacht und Rüdigers Wissen war gefragt." Für ihn war es keine Frage, dass er in das Geschäft seiner Frau einsteigen und mit an ihrem Traum arbeiten würde.

Wie viele kleine Lebensmittel-Einzelhändler startete das Unternehmen am Kollwitzplatz. "Der Marktverkauf ist nach wie vor sehr wichtig für uns, weil wir dort engen Kontakt zu unseren Kunden haben", sagt sie. "Auf die Idee, Essig-Balsam anzubieten, brachten uns erst unsere Kunden." Egal ob Markt in Prenzlauer Berg oder "Betriebswohnzimmer" in Lichterfelde: "Bei uns darf man alles probieren", verspricht Rüdiger Kebe und reicht geöffnete Gläser, Löffel, Schälchen und Cracker. Beim Probieren bekommt man Tipps zum Kochen und Nachmachen. Warum sollte man nicht mal Salatsauce mit einem Obstgelee aromatisieren oder eine Granatapfelessig-Creme mit Champagner aufgießen? Solche Ideen tragen die Kunden, genau wie die Gläschen mit den weißen Etiketten, nur allzu gerne nach Hause.

Kebe living Lorenzstr. 58 (Eingang Jägerstr.), Lichterfelde, Tel. 38 10 13 90, Di.-Fr. 11-18 Uhr, während der Schulferien ist bis zum 13. August nur dienstags und freitags geöffnet

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