Ausflugs-Tipp

Reise zum mittelalterlichen Dorfleben von Düppel

Das Kleid aus grobem Leinen scheint ein bisschen zu kratzen. Aber die Trägerin verzieht keine Miene. Sie rückt den Stoff gerade und steigt am S-Bahnhof Zehlendorf auf ein uraltes Fahrrad. Eigentlich hätte man mit einem Pferdefuhrwerk rechnen müssen.

Die Frau sieht aus, als wäre sie direkt aus dem Mittelalter gepurzelt. So wie sie machen auch wir uns auf den Weg zum Museumsdorf Düppel.

Hinter dem S-Bahnhof biegen wir rechts in die Machnower Straße und wenig später wieder rechts in die Berlepschstraße ein. Durch eine Wohnsiedlung mit üppigen Gärten geht es vorbei an den teilweise noch bestehenden Gleisen der historischen Stammbahn, die 1838 in Betrieb genommen wurde und damit die erste Eisenbahn Preußens war - ein Stück verwilderter Industriegeschichte. Und schon kommt das Museumsdorf in Sicht.

Dort tauchen wir in eine Mittelalterwelt ein. Das Dorf, Teil der Stiftung Stadtmuseum Berlin, führt den Besucher zurück in eine Zeit vor 800 Jahren. An dieser Stelle existierte um 1200 wirklich eine Siedlung. Die Menschen dort lebten und arbeiteten in Holzhütten, bauten Hanf und andere Pflanzen an und hielten Vieh.

Seit 1975 wurden auf den vorhandenen Grundrissen neue Holzhäuser erbaut, andere kamen hinzu, bis die Siedlung neu entstanden war. Heute gibt es im Sommer Vorführungen alter Handwerke, man kann historische Haustierrassen sehen und Honig oder Brot kaufen, das im Dorf hergestellt wird (geöffnet 16. April bis 9. Oktober, So. 10-17 Uhr, Do. 15-19 Uhr). Unsere mittelalterliche Dame ist inzwischen in einem Kräutergarten verschwunden, und wir verabschieden uns von dem liebevoll gestalteten Dorf. Wir gehen zurück zur Clauertstraße, dann ein Stück links über die Berlepschstraße. An der Idsteiner Straße, eigentlich mehr ein Weg, biegen wir rechts ab und erreichen wenig später den Seibtweg. Hier geht es links und immer geradeaus durch ein reizvolles Wohngebiet. Unser Ziel ist die Gartenstadt Zehlendorf.

Die Siedlung, die an der Dallwitzstraße beginnt, entstand zwischen 1913 und 1933. Entworfen wurde sie von den Architekten Paul Mebes, Paul Emmerich und Franz Tonndorf, die unter dem Einfluss der englischen Gartenstadtbewegung standen. Wagen Sie kleine Abstecher in die Seitenstraßen, um möglichst viele der Häuser zu sehen, die in drei Bauabschnitten errichtet wurden. Hier ein bisschen Klassizismus, dort etwas Expressionismus - man muss genau hinsehen, um die Details zu erkennen.

Hinter der Dallwitzstraße erreichen wir den ehemaligen Grenzpfad, auf dem wir bis zur Schrockstraße gehen. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt unseres rund einstündigen Ausfluges, dem S-Bahnhof Zehlendorf.