Gourmetspitzen

Familiäres Restaurant mit mediterraner Küche

Mir ging es ganz genauso wie Ihnen: Mit dem Namen "Eselin von A." konnte ich nun wirklich nichts anfangen. Nicht mal mit der nachträglichen Korrektur "Die Eselin am Wannsee". Die Rede ist von einem sehr familiären Restaurant mit mediterraner Küche am Wannsee und der Name stammt von einem Tierarzt, der einst das Restaurant initiierte.

Dieses Eselchen mit eigener Küche wurde in der Vergangenheit mehrfach vertrieben. Einst nach Problemen in Wilmersdorf suchte man ein neues Domizil am Wannsee. Die Eselin machte Halt in der Villa Thiede am Großen Wannsee. Doch als die Pacht nahezu verdoppelt wurde, war das auch hier der Einstieg in den Ausstieg der Restaurateure. Da die Gegend aber gut gefiel und eine Stammkundschaft aufgebaut war, gab es nur einen kleinen Umzug in die Königstraße, ebenfalls am Wannsee. Das Restaurant ist nun im gleichen Haus wie das kleine Hotel Petit mit sommerlichem Gartenbereich und einer Straßenterrasse zusätzlich.

An einem dieser lauen Juli-Abende wählten wir den Garten, der mit Blumenschmuck und Sonnenschirmen wie ein privates Sommerfest wirkt und so agiert auch der Restaurateur: liebenswert, herzlich, aber auch kompetent. Die an der Straße aufgehängte Speisekarte ist so winzig und bescheiden, dass es dazu nicht viel zu erklären gibt. Ich wäre wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, das Restaurant für die Gourmetspitze zu suchen, hätte nicht mein Freund, der Spree-Radio Moderator Jochen Trus, mir von seinen guten Erfahrungen berichtet. So probierten wir, was die Küche am Abend zu bieten hat. Zum Lunch werden übrigens drei Gänge als schnelles Menü für 16 Euro offeriert.

Bei uns servierte die Küche als Amuse Bouche eine herzhaft abgeschmeckte kalte Gazpacho, die den Gaumen schärft und Appetit macht. Es folgte Lachstatar mit Brioche. Lachstatar ist gewiss Standard, aber hier war die milde Qualität erwähnenswert und vor allem, dass es an Stelle eines Dressings Ingwer-Eis gab. Die ungewöhnliche, aber köstliche Kreation wird mit 11,90 Euro angeboten. Zufrieden waren wir ebenfalls mit der Fisch-Vorspeise Loup de mer, zwei auf der Haut kross gebratene Filets vom Wildfang mit Perlgraupenrisotto, Schnittlauchöl und Pastinaken. Dagegen hätte die Haut von der in der Tat rosa gegarten Entenbrust durchaus krosser gebraten sein können. Geradezu Begeisterung löste das Pasta-Gericht Tagliatelle mit Krustentierfond aromatisiert und knackigen Garnelen, durch Chiliöl scharf gewürzt. Mit Schmunzeln habe ich einen extrem Hungrigen erlebt, der ein Kilo Garnelen mit ofenfrischem Baguette und drei Dips serviert bekam und im Wettbewerbstempo verdrückte.

Ständig wechselt die Küche das Drei-Gänge-Abendmenü (36 Euro). Mit dem ersten Gang wird geschmacklich belegt, dass Käse nicht nur den Magen schließt, wie es immer heißt, sondern auch als Einstieg köstlich sein kann. Gebratene und marinierte Halloumi (Kuhmilch-Käse aus Zypern), mediterran präsentiert mit getrockneten Tomaten und Oliven. Als zweiten Gang habe ich den Kalbsrücken probiert, mit dem geschmacksstarken Rosmarin-Jus und Austernpilzen. Gegen die Polenta habe ich Kartoffeln eingewechselt. Ein Fehlgriff. Die wirkten leider wie ein Fertigprodukt, viel zu fest und ohne jeglichen Geschmack. Das Einzige aber, was aus der Küche wirklich kritikwürdig war.

Was wird in der Eselin sonst noch geboten? Für Vegetarier überbackene grüne und gelbe Zucchini mit Püree von getrockneten Tomaten und durch kräftigen Parmesan gewürzt, natürlich die Standards Schnitzel, Wiener Art mit lauwarmen Kartoffelsalat und Rinderfilet mit Petersilienpüree. Für Fischliebhaber empfiehlt sich die Bio-Forelle "Müllerin Art" (melierter Fisch in Butter gebraten), die im Ganzen serviert wird. Scheinbar den Slim-Zeiten gemäß, ist die Dessertauswahl äußerst bescheiden. Apfelstrudel, ein paar Sorbets und die übliche Creme brûlee, die allerdings mit dem besonderen Geschmack der Tonka Bohne parfümiert war.

Bemitleidenswert schlecht scheint mir der momentane Zustand der Weinkarte. Ein paar unbedeutende Lagen aus Deutschland und Italien, das ist schon alles. So bestellten wir einen dieser kundenfreundlich kalkulierten italienischen Sommerweine (24 Euro), der normalerweise wahrlich nicht zu schade für eine Schorle ist. Hier brauchte man kein Wasser, um ihn zu verdünnen, der schmeckte bereits so. Die Weinliste sei noch im Aufbau, entschuldigte sich der Restaurateur. Vorteilhaft war, der Wein kam gleich sehr gut gekühlt und wurde noch in eine riesige Portion Eis gepackt. Das gehörte zum Service und der war bis zum letzten Nachschenken äußerst erwähnenswert. Weit weniger gemütlich ist das Ambiente im Restaurant, doch auch da wird die Entwicklung der Eselin am Wannsee noch einiges verändern.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost

Restaurant Die Eselin am Wannsee , Königstraße 10, Wannsee, Tel. 214 12 4, Di.-So. 12-23 Uhr