Kleine Entdeckungen

Titanen in Neukölln

Eine Gruppe Japaner kommt nach Neukölln, schaut sich um und fotografiert. Was ist denn das? Ein Brunnen, der nicht sprudelt. An seinem Rande stehen Bronzefiguren. Die mächtigsten sind zwei Titanen, Gestalten aus den griechischen Göttersagen.

Sie kämpfen. Der eine wirft einen großen Stein auf seinen Gegner. Sie sind verstümmelt, einem fehlt ein Fuß, dem anderen das ganze Bein. Neben den beiden Titanen sind zwei nackte Frauen, ganz zart, einander zugewandt. Dazu kommen ein Schwan und ein einsamer Zentaur und ein kleiner Junge, der aufs Wasser deutet.

Der Künstler Hartmut Bonk hat diese Figuren in den Jahren 1986 und 1987 erschaffen. Sie stehen am Karl-Marx-Platz, sind zwei bis drei Meter hoch und heißen "Imaginäres Theater". Die beiden Titanen stellen mit der Konfrontation die Groteske dar; die Frauen und der Schwan mit der Erotik die Komödie und der Zentaur, er allein ist die Tragödie.

Fremde Figuren aus einer anderen Welt. Kein Neuköllner schenkt ihnen groß Beachtung. Pommes sind interessanter - direkt neben der Kunst befindet sich ein Imbiss. Und schräg gegenüber ein Bordell. Eine Taube hat einem Titan einen weißen Streifen beschert. Aber das bemerken wohl nur die Japaner. Sie schauen sehr genau hin.