Retrospektive: Charles Chaplin

Der Mann, den jeder liebt

Als er 1931 in Berlin zu Gast war, sah sich Charles Chaplin nicht nur dem Entzücken der Massen ausgesetzt, sondern auch der Hatz der rechten Presse, die ihn als (vermeintlichen) Juden diffamierte. Dabei soll Chaplin übrigens erstmals jener Politiker aufgefallen sein, der nur vier Tage jünger war als er selbst und denselben Bart trug.

Manche argwöhnen, Hitler habe ihn Chaplin abgeguckt, weil dieser so beliebt war beim Volk. Wie auch immer: Jahre später hat ihn sich Chaplin zurückgeholt, hat er seinerseits den Politiker imitiert - und zum Gespött für die ganze Welt gemacht. "Der große Diktator" war sein vielleicht größter Geniestreich. Und es ist kein Zufall, wenn gerade mit diesem Film eine große Charles-Chaplin-Retro eingeweiht wird. Diese startet am Freitag um 19.30 Uhr eigentlich mit einem Festakt und der Aufführung von "Goldrausch" mit großem Live-Orchester im Babylon Mitte, wo die Retro bis 7. August läuft. Aber die eigentliche Eröffnung ist die Aufführung von "Der große Diktator": gratis als Open-Air-Screening am Brandenburger Tor, neben dem Hotel Adlon, wo Chaplin 1931 residierte. Die Retro bietet lauter Schmankerl: Die großen Stummfilme mit satten Live-Musikbegleitungen, aber auch die allerersten Filmchen, die ab 1914 entstanden und in denen Chaplin die Figur, mit der er ein Leben lang verwechselt werden sollte: Charlie, den Tramp, erst noch entwickelte.

Diesen Tramp hat er noch in "Moderne Zeiten" als Stummfilm in längst tönernen Zeiten gedreht. Doch schließlich musste auch er sich dem neuen Medium beugen - und seinen Tramp opfern, der niemals, so wusste er, sprechen durfte.

Erstmals in Deutschland ist der gesamte Chaplin zu sehen: mit allen 80 Filmen. Eine Reise durch das Oeuvre des größten Komikers aller Zeiten, den alle liebten und zu kennen glaubten und der hier doch noch einmal ganz neu entdeckt werden kann.

Chaplin Complete Eine Retro im Babylon zeigt das Gesamtwerk des Komikers