Berliner Perlen

Edle Maschinen für Genießer

Wenn der Berliner von einem "Pott Kaffe" spricht, hat das mit einem italienischen "caffè" ungefähr so viel zu tun wie Fußball mit Synchronschwimmen. Filterkaffee schmeckt schrecklich, finden Chantal Frohnhoefer und Stefan Hermann. Wenn er dann auch noch stundenlang in der Kaffeemaschine vor sich hin schmurgelt, wird er immer bitterer, schmeckt verbrannt.

"Davon bekomme ich Magenschmerzen", sagt Stefan Hermann und nimmt deshalb auf jede Reise seinen kleinen italienischen Kaffeekocher für den Herd mit. Immerhin. Denn besser schmeckt der Espresso natürlich aus einer so genannten Siebträgermaschine. Natürlich, dieser Meinung muss man sein, wenn man wie Chantal und Stefan im "macchina-caffè" Kaffeemaschinen verkauft. Dieses Wissen beruht aber vor allem auf jahrelanger Erfahrung, auf Verkostungen, Italienurlauben und auf dem Feedback der vielen Kunden aus der ganzen Stadt.

Eine gute Stunde Beratung

1996 machten Frohnhoefer und Hermann ihre Leidenschaft für das kleine, schwarze Getränk zum Beruf. Damals waren in Berlin Kaffeebars und Kaffee-Ketten, die mehr kaffeehaltige Getränke auf der Karte haben als Kaffeebohnen in den Maschinen, eine Rarität. Stefan Hermann hatte wirklich guten Espresso nur in Italien getrunken. Und das wollte er nun auch zu Hause haben. Für sich. Und für alle anderen. Also eröffnete er zusammen mit Chantal Frohnhoefer eine kleine Kaffeebar an der Neuen Schönhauser. Sie servierten Espresso und Cappuccino, ein paar Kleinigkeiten zu essen - und es gab ein Regal mit italienischen Kaffeekochern. Dafür interessierten sich die Gäste besonders, stellten Fragen, wollten wissen, wie man den Kaffee richtig mahlt, wie man die "crema", die hellbraune Schaumkrone auf dem Espresso, hinbekommt.

Es dauerte nur zwei Jahre, dann zogen sich Chantal Frohnhoefer und Stefan Hermann aus der Kaffeebar zurück und eröffneten ihren Laden für Kaffeemaschinen "macchina-caffè" an der Alten Schönhauser 26. "Seit 1998 hat sich die Gegend ganz schön verändert", sagt Chantal. "Damals gab es hier nichts." Trotzdem sollte alles schön werden. Stefan Hermann verlegte eigenhändig den dunklen Fliesenboden mit dem grafischen weißen Muster. Die Regale und der Verkaufstresen wurden in dunkelbraunem Holz hergestellt.

Es sollte alles passen. Passen zum Kaffee und zu den hochwertigen Maschinen, die sie seitdem dort verkaufen. Siebträgermaschinen ab 400 Euro aufwärts, etwas billigere Vollautomaten, Mühlen, Kaffeekocher für den Herd, verschiedene Accessoires und Kaffeebohnen. Für die Siebträgermaschinen müssen die Bohnen vorher gemahlen werden, das Pulver dann in den Siebträger gepresst und das Wasser erhitzt werden. "Wenn man die richtige Temperatur, den richtigen Wasserdruck und den richtigen Mahlgrad für den Kaffee kennt, bekommt man mit solch einer Maschine den besten Kaffee zustande", sagt Chantal Frohnhoefer. Guter Kaffee ist eine kleine Wissenschaft für sich. "Das hört sich jetzt schwieriger an, als es ist. Aber zur Not helfen wir ja weiter", sagt Chantal Frohnhoefer und lacht.

Eine gute Stunde kann eine Beratung zum Kauf einer Kaffeemaschine schon dauern. Manchmal auch verteilt über ein paar Tage. Schließlich müssen die Kunden verstehen, nachdenken, Entscheidungen treffen. "Es kamen schon Kunden, die wollten einen Vollautomaten und gingen mit einer Siebträgermaschine", sagt die 45-jährige Frohnhoefer. Aber es gibt eben auch jene Kunden, die eigentlich eine teure Siebträgermaschine wollen, im Laufe der Beratung aber feststellen, dass ihnen das doch zu viel Arbeit und zu viel Schmutz ist. Und am Ende wird es dann eben ein Vollautomat. "Sicherlich machen die Siebträgermaschinen den besseren Kaffee, keine Frage", sagt Stefan Hermann, "aber es macht ja auch keinen Sinn, wenn ich jemandem etwas verkaufe, womit er hinterher unglücklich ist". Beratung ist das A und O. Frohnhoefer und Hermann ist es wichtig, dass die Kunden wissen, was sie kaufen.

Wenn es mal nicht gleich klappt mit dem perfekten Espresso, darf jeder Kunde wieder kommen und bekommt den richtigen Tipp: Schmeckt der Kaffee zum Beispiel zu bitter, könnte es daran liegen, dass er zu fein gemahlen wurde. Dann braucht das heiße Wasser zu lange, um durch das Pulver zu kommen. Schmeckt er zu lasch, wurde er wahrscheinlich zu grob gemahlen, das Wasser läuft dann zu schnell durch. "Mühle, Maschine und Kaffeebohnen müssen immer perfekt aufeinander abgestimmt sein", erklärt Stefan Hermann. Wenn doch mal die Maschine Schuld ist am misslungenen Getränk, dann hat das Team von "macchina-caffè" eine eigene Werkstatt im Hinterhaus, wo ein Techniker die Schäden und Macken des guten Stücks beheben kann.

Wie viele Tassen Espresso muss man eigentlich täglich trinken, wenn man Kaffeemaschinen verkauft? Zehn? 20? "Aber nein", sagt der 48-jährige Stefan Hermann, "wir trinken sogar ziemlich wenig Kaffee." Einen Cappuccino in der Früh und einen Espresso nach dem Essen. Zwischendurch gibt es meistens Tee. Kräutertee, Pfefferminztee, schwarzen Tee. Der gute Kaffee wird in Ruhe genossen.

macchina-caffè Alte Schönhauser Str. 26, Mitte, Tel. 28 38 44 14, Mo.--Fr. 11-19 Uhr, Sbd. 11-17 Uhr, Infos im Internet unter www.macchina-caffe.de