Bühnencheck

Bar jeder Vernunft: Sharon Brauner

Lässig-lasziv rekelt sie sich im knappen, engen schwarzen Tütü, umarmt von plüschig-rotem Licht, umhüllt von perlendem Lounge-Jazz der vier Musiker. Zum Auftakt ihrer Show "Bei mir bis du schön" in der Bar jeder Vernunft gibt die Berliner Sängerin und Schauspielerin Sharon Brauner die femme fatale - um gleich darauf mit dem Wunsch "Ich wär so gerne blond" ans Mikrofon zu staksen.

Mit charmanter Natürlichkeit singt und plaudert sie sich auf der Bar-Bühne durch ein höchst unterhaltsames Repertoire, in dem sie ihre jüdischen Wurzeln, ihr Faible für amerikanisches Entertainment und ihre Lust am guten Song auf den Punkt bringt.

Die Bar jeder Vernunft ist die ideale Spielwiese für Sharon Brauner. Hier trat sie bereits Anfang der 90er-Jahre erstmals auf. In ihrem aktuellen Programm singt sie nun einerseits Songs vom Album "Glücklich unperfekt", widmet sich andererseits Jahrhunderte alten jiddischen Liedern. Wobei sie bekennt, jiddisch als Sprache zu lieben, nur dass sie mit der traditionell für jiddische Lieder genutzten Klezmer-Musik nichts anzufangen weiß. Die Wende kam, als sie im Plattenschrank ihres Vaters Wolf Brauer (Bruder des Filmproduzenten Artur "Atze" Brauner) eine Platte der amerikanischen Barry Sisters entdeckte - einem Geschwister-Duo, das in den 50er- und 60er-Jahren jiddische Volkslieder in popmusikalische, manchmal swingend jazzige Arrangements packte.

Angestachelt durch die auf Vinyl konservierten, eigenwilligen Interpretationen der Barry-Schwestern holt Sharon Brauner nun die alten Lieder voller Witz und Wehmut ins Hier und Heute. "Dem neyem Sher" kommt im geradezu rockigen Polkatrab daher, "Belz" über das gleichnamige Schtetl beginnt anstelle von Klezmer-Klarinette mit nicht weniger erinnerungsseliger Mundharmonika, in die Pianist Harry Ermer stößt; eine bluesig-jazzige Ballade. Andere Stücke werden von lateiamerikanischer Rumba angetrieben oder schwelgen im lässigen Walzertakt.

Neben Harry Ermer, der auch als künstlerischer Leiter fungiert, zählen Gitarrist und Trompeter Hossein Yacery Manesh, Bassist Daniel Zenke und Schlagzeuger Philipp Schmitt zur versierten abendlichen Liveband, die stilistisch vielfältig die verschiedenen Stimmungen der Lieder illustriert. Mit Chuzpe und Charisma blättert Sharon Brauner das eigene Leben auf, erzählt von ihrer Familie, ihrem Hund, ihren Lebenspartnern. Und singt eigene Chansons wie den "Hormone Blues" oder das urkomische "Popo". Das groovt, swingt und macht ungeheueren Spaß. Ein höchst empfehlenswerter, beglückender Abend. Der Besuch lohnt.

Bar jeder Vernunft Schaperstraße 24, Wilmersdorf, Tel. 883 12 15, Di.-Sbd. 20 Uhr, So. 19 Uhr, 14. bis 24. Juli, 19-23,80 Euro