Ausflugs-Tipp

Über die Bölschestraße zum Müggelsee und zurück

Wie auf vielen anderen Berliner S-Bahn-Stationen gibt es auch in Friedrichshagen nur eine Treppe vom und zum Bahnsteig. Wer sie herunterkommt, muss sich entscheiden.

Links geht es in den Kurpark mit Freiluftkino sowie das idyllische Erpetal, rechts in die Bölschestraße. Sie ist die Hauptschlagader Friedrichshagens. Man muss am Bahnhof nur den Fürstenwalder Damm überqueren und schon kann die Erkundungstour beginnen. 1250 Meter lang ist die Straße, steht gänzlich unter Denkmalschutz und ist ein buntes nebeneinander von kleinen Läden und Gastronomie. Ein architektonischer Höhepunkt inmitten der klassizistischen Wohntempel und kleinen Kolonistenhäuser ist ganz zweifellos das Rathaus. 1899 wurde es von den stolzen Friedrichshagenern eingeweiht. Da hatten die Berliner den beschaulichen Villenvorort dank der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn längst als Sommerfrische entdeckt.

Das Rathaus in der Bölschestraße 87 lässt ahnen, wie wohlhabend Friedrichshagen damals schon war. 1920 zählte es fast 15 000 Einwohner, in jenem Jahr wurden sie durch Eingemeindung zu Köpenickern und mit der Bildung des Magistrats von Groß-Berlin auch gleich noch Hauptstädter. Zuletzt diente das Rathaus als Polizeirevier. Nun wird sich entscheiden, ob es die Stadt an einen privaten Investors verkauft oder das Haus zum kulturellen Bürgertreffpunkt wird.

Die Straße weiter hinauf, gelangt man zum Marktplatz. Den gab es hier schon vor 250 Jahren als Dorfmittelpunkt. Montag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend ist Wochenmarkt. Nach 1945 verschwand hier spurlos die Statue Friedrich des Großen. 2003 wurde eine heftig umstrittene Adaption aufgestellt. Sie schuf der armenische Künstler Spartak Babarjan, von dem auch der Bronze-Hauptmann vor dem Rathaus in Köpenick stammt. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, steht die 1902/03 errichtete Christophoruskirche. Bei einem Unwetter im Jahr 1772 hat sie ihre Turmspitze verloren. Der Nachbau ist - man muss es so sagen - ein architektonischer Stilbruch.

Weiter geht es Richtung Müggelsee, vorbei an vielen niedrigen Häusern, die erahnen lassen, wie die einstige Dorf- und spätere Friedrichstraße vor mehr als 200 Jahren aussah. Einen Blick auf die Höfe sollte sich niemand entgehen lassen. Viele von ihnen sind Refugien der Ruhe mit üppigem Grün.

Am Ende der Bölschestraße steht das Bräustübl, wo es neben deftigem Essen und gutem Bier in einem schönen Ballsaal auch Kultur angeboten wird. Unmittelbar neben der Gaststätte ist die kleine Pfeiffergasse, benannt nach dem einstigen preußischen Kriegs- und Domänenrat Johann Friedrich Pfeiffer, der als Begründer des Ortes gilt. Einst führte die Gasse zum Anleger der Prahmfähre, die an Spitzentagen bis zu 40 000 Ausflügler über die Spree setzte. 1927 wurde an die Mündung zum Müggelsee ein Fußgängertunnel gegraben. Wer will, wechselt hinüber in die Kämmererheide. Oder man dreht um, läuft zurück Richtung S-Bahnhof und kehrt in einem der vielen Lokale ein. Man kann da nichts falsch machen.

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