Kleine Entdeckungen

Karriere eines Baumstumpfes

"Da hinten ist auch noch eine", sagt der Mann mit der Bierflasche hilfsbereit. Er sitzt mit seinem Kumpel auf einer Bank und guckt zu, wie andere Leute Kunst betrachten. In der Hasenheide stehen nämlich mehrere Skulpturen.

Man muss nur genau hinsehen: Es sind Baumstümpfe, aus denen Figuren geschnitzt wurden. Die Urheber sind unbekannt, zumindest kennt man im Bezirksamt keinen. Der Stumpf vor der Bank ist ein Kopf. Eines Trolls? Augen, Ohren, Knubbelnase und entweder ein riesiger Mund oder ein langer Bart. So genau ist es nicht zu erkennen, die Figur ist etwas verwittert. Die Skulptur "da hinten" ist ein bemalter Stumpf, quietschbunt. Sie steht dort, wo rastabezopfte Hasenheidenbesucher regelmäßig ihren Rave veranstalten. Auf der gegenüberliegenden Wiese eine Frau mit vier Brüsten - gut, dass sie aus Holz ist, somit keinen BH braucht. Aus der Rückseite ihres Stumpfs gucken zwei Gesichter erstaunt in die Welt. Direkt auf einer Kreuzung am Teich steht ein einsamer Gitarrenspieler. Der Berliner Nils Werner hat diese Skulptur im Jahr 2007 geschaffen. Er erzählt, dass sie früher nackt wirkte und ihr jemand den Kopf abgeschlagen habe. Jetzt sieht ihr Bart aus wie ein herabhängender Kopf, und ihre Nacktheit wird von einer Gitarre verborgen.