Film: Company Men

Die Zukunft liegt auf dem Bau

"Company Men", ist ein Sozialdrama, in dessen Mittelpunkt drei Mitarbeiter eines Großkonzerns stehen, die vor die Tür gesetzt werden. Im Gegensatz zu den Problemfilmen der 30er- bis 80er-Jahre dreht sich die Geschichte nicht um Mitglieder der Working Class, sondern um leitende Angestellte. Tommy Lee Jones sitzt als Gene McClary sogar im Aufsichtsrat.

Auch die weitere Besetzung bürgt für Sympathie mit den Verlierern: neben Ben Affleck ist der herausragende Chris Cooper dabei. Ihre Figuren stehen für die tragende Säule der US-Gesellschaft: die gehobene Mittelschicht, deren Schulden nach wie vor Schmiermittel für das Getriebe des Binnenhandels sind.

Wer in den USA arbeitslos wird, stürzt meist tief. Aber der in Boston spielende Film erzählt weniger von materiellen Verlusten als vom Verlust an Prestige und Männlichkeit, der mit der Kündigung einhergeht. Besonders an Bobby Walker (Affleck) wird die Berg- und Talfahrt der Persönlichkeitskrise exemplifiziert. Ihn trifft es als ersten. Um jeden Preis will der junge Familienvater die Fassade des erfolgreichen Managers aufrechterhalten. Bis ein Golfclub-Mitarbeiter ihn darauf hinweist, dass der Mitgliedsausweis wegen Zahlungsverzugs abgelaufen ist.

McClary ist das abgeklärte Rauhbein des Films, eine Art John Wayne im Edelzwirn. Am Ende ist McClary derjenige, der sich und den anderen Halbverzweifelten mittels Firmenneugründung eine tragfähige Zukunft baut. Rettender Anker ist am Schluss eine marode Schiffswerft, die wirkliche Güter produziert, statt abstrakte Summen hin- und herzuschieben. Auf dem Bau erlebt der geschasste Manager nicht nur die Freuden des echten Handwerks, sondern auch die Solidarität unter Kollegen. Von den Existenzkämpfen im Handwerk allerdings schweigt der Film. In den frisch restaurierten Büroräumen der Werft treffen sich die von der Entlassungswelle Fortgespülten alle wieder. "Company Men" beschwört so einen Pioniergeist herauf, der einerseits aufrichtig, andererseits sturznaiv wirkt.

John Wells hat der Mut gefehlt , seine Helden wirklich existenzieller Not auszusetzen. Bezeichnend: Afflecks bitterster Verlust betrifft seinen Sportwagen. Echte Verzweiflung findet im Off statt, während die Erzählung auf Schmusekurs weiterschnurrt. Das visuelle Gespür des Kameramanns Roger Deakins zählt zu den Pluspunkten des Films. Doch trotz aller Einwände gehört "Company Men" zu den interessanten Filmen dieses Sommers. Statt sich in wohlfeiles Entertainment zu stürzen, versucht es Hollywood zur Abwechslung mit der Schilderung sozialer Realitäten. Das ist zwar ein gutes Zeichen für die Kultur in Krisenzeiten. Aber ein schlechtes Omen dafür, wie es um die Wirtschaft der USA steht.

Drama: GB/USA 2010, 109 Min., von John Wells, mit Tommy Lee Jones, Ben Affleck

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