Kleine Entdeckungen

Bei Dieben unbebeliebt

Es ist ein Relikt, das kleine Antiquariat an der Richardstraße 104 in Neukölln. "Die Biografische Bibliothek" verkauft und verleiht Briefe, Tagebücher, Memoiren - und Biografien.

Früher reihten sich an der Richardstraße viele kleine Geschäfte aneinander. Inzwischen sind die meisten in Wohnungen umgewandelt. Katinka Krauses Laden blieb.

Nach der Eröffnung 2004 hatten zwei Jugendliche im Laden auf Türkisch befunden, dass nichts zu holen sei - Krause beherrscht die Sprache. Ähnlich habe sich später ein ertappter Einbrecher bei der Polizei beschwert. Seitdem herrscht Ruhe. "Hat sich in der Szene rumgesprochen", sagt die Antiquarin. Gestohlen wird nicht.

Ans Haus sind links und rechts Graffiti gesprüht, am Türrahmen wächst Clematis, im Geschäft gibt es Bücher und Bilder. Die Bibliothek ist ein Raum zum Stöbern und so malerisch, dass neulich wieder ein Filmteam eine Kussszene drehen wollte. "Nein" lautete die Antwort. Die ehemalige Lehrerin will keine Geschäfte machen, sondern schöne, interessante Bücher unter die Leute bringen und Lesungen veranstalten. Reich wird man so nicht. Sie lebe auf Hartz IV-Niveau, sagt Krause. Dafür mache ihre Arbeit Spaß: Sie bestimmt ihre Arbeitszeiten selbst und verkauft nur Bücher, die ihr gefallen.