Ausflugs-Tipp

Unter Bäumen durch Lichterfelde und himmelwärts

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Wenn Sie am Bahnhof "Lichterfelde Ost" aus der S-Bahn steigen, nehmen Sie bitte den rückwärtigen Ausgang.

Nach vorne hin würde Ihnen gleich sehr viel ungebremster Straßenverkehr entgegenschlagen, und das wollen wir nicht, wir sind doch sehr auf das gute alte Lichterfelde gepolt, auf die für die Gegend typischen Villen und kleinen Seitenstraßen. Also hinten raus, und siehe da: Es ist gleich angenehm ruhig und vorstädtisch. Wir gehen die Bahnhofstraße, dann die Bäkestraße entlang und damit meist unter Bäumen. Hier wohnt man oft mehr als nur gediegen, doch der Wohlstand, der aus den alten Häusern spricht, äußert sich doch wohltuend dezent.

Kurz vor der Brücke über den Teltowkanal liegt linkerhand das Denkmal für Otto Lilienthal, inmitten eines kleinen, gepflegten Parks. Gewidmet ist es dem "Vorkämpfer der Fliegekunst" und "ersten Flieger", gestiftet haben es "Lichterfelder Bürger" im Jahr 1914. Auf einem hohen Sockel steht ein nackter Jüngling, Arme und Flügel ausgebreitet, den Kopf gen Himmel geneigt und leicht nach vorn gebeugt, als wolle dieser Ikarus sich genau jetzt nach vorne stürzen und zum Flug aufbrechen. Wenn Sie von so viel stolzem Wagemut etwas benommen sind, kehren Sie in das angrenzende Restaurant-Café mit seiner großzügigen Gartenterrasse ein. Auch hier weilen sie wieder unter dem Schutz der Bäume.

Über die Bäkebrücke wechseln wir die Kanalseite und gehen nun auf der Paul-Schwarz-Promenade. Die Vegetation ist üppig. Lastkähne ziehen vorbei, Sportboote befördern ihre Freizeitkapitäne ohne Stau und rote Ampeln auf der Wasserstraße durch die Stadt. Am Hafen Steglitz liegen einige Boote am Kai. Durch den Bäkepark und über den Hindenburgdamm kommen wir nun zu einem Backsteinensemble, dessen exotischer Reiz sich erst bei genauerer Betrachtung offenbart.

Im Schatten der 1900 ihrer Bestimmung übergebenen, im Krieg ausgebrannten und 1957 erneut feierlich eröffneten Pauluskirche steht, im gleichen neugotischen Stil errichtet, ein weiteres Gebäude, dies allerdings ist ganz der Technik geweiht: ein Transformatorenhäuschen der ehemaligen "Berliner Vororts-Electricitäts-Werke". Ergänzt wird die sakrale Gruppe durch die Dorfkirche, deren heutiger Bau aus grob behauenen Feldsteinquadern sich bis ins frühe 18. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Nicht zuletzt wegen des Holzturms wohnt dieser Kirche, die gleichzeitig auch ein kleines Mausoleum ist, ein besonderer Charme inne.

Bevor wir wieder an unseren Ausgangspunkt zurückfinden, staunen wir noch über die originale Treidellok, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entlang des Teltowkanals zum Einsatz kam und nun restauriert an der Emil-Schulz-Brücke steht. Mit acht PS und einem gemächlichen Schritttempo zog sie die Kähne. Zwanzig Stück gab es von dieser Sorte, zwanzigmal industrieller Fortschritt made by Siemens. So war das, damals, in Lichterfelde.

( -nn )