Kleine Entdeckungen

Der Fotograf Heinrich Zille

Der Fehrbelliner Platz hat eine nüchterne Anmutung. Bis auf das rote U-Bahngebäude, das aussieht wie ein Pop-Art-Ungetüm. "Bohrinsel" heißt es im Volksmund, dem jener Mutterwitz innewohnt, der den Berliner Maler, Zeichner und Grafiker Heinrich Zille inspirierte.

Zille ist 1929 gestorben. Wir begegnen seiner Kunst am denkmalgeschützten Bahnsteig der U 3. 16 seiner Fotos, großformatige Original-Abzüge in Schwarz-Weiß, schmücken die Wände.

1966 brachte ein Fund im Nachlass ans Licht, dass der liebevoll "Pinselheinrich" genannte "Milljöh"-Chronist auch fotografisch das Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts porträtierte. Mit geliehener Kamera geschossen, dienten ihm die Aufnahmen als Vorlage für Zeichnungen. Der Blickwinkel macht Zille zum Fotografen der Moderne, zum Avantgardisten der Großstadtfotografie. An die 600 Aufnahmen - alte Kontaktabzüge und Original-Glasnegative - sind im Besitz der Berliner Bank AG und werden in der Berlinischen Galerie aufbewahrt. In Kooperation mit beiden traf die BVG 1987 zum 750-jährigen Berlin-Jubiläum ihre Auswahl. Heinrich Zille schuf seine Milieustudien als Bilder mit original "berlinischen" Untertiteln. In der U-Bahn, im brodelnden Berliner Alltag, sind die Fotos zuhause. Mittenmang. Wie der Meister selbst.