Berlin genießen

Das perfekte Picknick

Ein Picknick vorzubereiten, so denkt man, ist die einfachste Sache der Welt. Ein paar kalte Salate, ein Brot und eine gut gekühlte Flasche Sekt, Saft oder Mineralwasser sollten für eine gelungene Mahlzeit im Freien ausreichen.

Doch kaum herrschen draußen Temperaturen, bei denen man gerne auf Wald- oder Wiesenboden sitzt, ändern die Speisen schneller als gedacht ihre Konsistenz: Festes wird flüssig, Saftiges trocknet aus und in der Tupperdose schwappt traurig die Salatsauce vor sich hin. Warum die Sache also nicht gleich erfahrenen Küchenprofis überlassen? Verschiedene Restaurants bieten fertig gepackte Picknick-Körbe zu moderaten Preisen an. Das spart Stress und garantiert appetitliches Freiluftgelage.

Gerade Gerichte der orientalischen Küche trotzen der Hitze wunderbar und sind deshalb gut zum Verzehr im Freien geeignet. "Außerdem ist die Vorspeisenkultur in diesen Ländern sehr kommunikativ. Es gibt oft viele verschiedene kleine Portionen, die herum gereicht werden - so kommt man schnell miteinander ins Gespräch", sagt Nils Gnoyke, Event-Koordinator im Restaurant Liebermanns im Jüdischen Museum. Unterschiedliche kleine Speisen statt einer großen zu reichen entspricht dem Wesen eines Picknicks.

Der Begriff kommt aus dem Französischen. "Pic un nic" forderten die Gastgeber ihre Gäste auf, was soviel heißt wie "nimm dir eine Kleinigkeit". Die Picknickkörbe des Liebermanns werden mit Falafel, Sesambrei, Kalamata-Oliven, Fladenbrot, scharfen Bratwürsten, Kuchen, Obst und hausgemachter Zitronenlimonade gefüllt und sind weit über die Grenzen Berlins bekannt. Sehr frisch und exotisch schmeckt der israelische Salat mit Gurken, Minze und Granatapfelkernen. "Wir haben mitunter Reisegruppen, die nach einer Führung im Museumsgarten picknicken", sagt Nils Gnoyke. Während der Jazz-in-the-garden-Veranstaltungen gehen bei schönem Wetter mehr als 20 Vorbestellungen für Picknickkörbe ein. Die meisten davon werden in unmittelbarer Nähe der Küche ausgepackt, denn der von Hans Kolhoff gestaltete Museumsgarten entzückt Architekturfans und Stadtmüde gleichermaßen.

Ein königliches Vergnügen

Menschen speisten schon immer im Freien. Die Griechen nannten die Open-Air-Mahlzeiten Eranos, die Römer Prandium. In der Zeit des Barock wurde das Essen im Freien als Sommervergnügen in Adelskreisen populär, vor allem in Frankreich. Die Geburtsstunde des Picknicks schlug allerdings erst, als Menschen mit bewusstem Verzicht auf Komfort freiwillig ihre vier Wände verließen, um das gemeinsame Mahl im Grünen zu genießen. Maler Édouard Manet verlieh seinem Picknick, jenem "Déjeuner sur l'herbe" im Jahr 1863 gar eine frivole Note, indem er eine schöne Nackte in die Naturszene aufnahm.

Mit der Ende des 18. Jahrhunderts in Großbritannien einsetzenden Industrialisierung wurde es in den Städten eng und schmutzig, so dass Ausflüge in die Natur und Essen im Freien zu einer Massenbewegung wurden. Ein Meilenstein der Picknick-Kultur aus dieser Epoche ist die Erfindung des einhändig zu essenden Brotes durch den legendären Kartenspieler Earl of Sandwich.

Die britische Königin Viktoria machte das Picknick zu einem höchst kultivierten Vergnügen. Die Regentin des 19. Jahrhunderts ließ sich allzu gerne an malerischen Fleckchen nieder, während diverse Diener sie bedienten und Pasteten, Brot und edle Spirituosen auftrugen. Britische Adlige machten es ihr nach und auch heute noch fahren ihre Nachkommen gerne mit dem Rolls Royce aufs Land, klappen ein paar Stühle auf und genießen Champagner, Salat, Schinken und Kaffee.

In Deutschland gibt es ebenfalls Luxusvarianten: Fernsehkoch Johann Lafer bietet ein exklusives "Heli-Picknick" an. Bis zu vier Gäste werden mit einem Hubschrauber zu einer von Weinbergen umgebenen Anhöhe geflogen, auf der an einem festlich gedeckten Tisch aufwendig ein Sechs-Gänge-Menü serviert wird. Der Spaß kostet ab 1200 Euro pro Person.

Derartige Picknicks würden in Berliner Parks, in denen es naturgemäß eher lässig zugeht, nicht nur wegen des Helikopters unangenehm auffallen. Fertig gepackte Körbe sind in Restaurants unter 50 Euro zu haben. Das Tomasa in der Villa Kreuzberg bietet einen schlichten Korb mit belegten Baguettes, Eiweiß-Schock aus Sahnequark mit Obst und Nüssen, Mineralwasser und einer Flasche Wein oder Prosecco an. Für 45 Euro gibt es ein Picknick-Menü mit Schnitzeln, Kartoffelsalat und Erdbeer-Mascarpone-Dessert.

Unter drei Picknick-Korbvarianten kann man im Restaurant Vitruv des Hotels Leonardo Royal wählen. Der "Klassik-Picknickkorb für Naturliebhaber" bietet zwei Personen eine Grundversorgung mit Tee, Kaffee, Wasser, Orangensaft, Brot, rustikalem Aufschnitt, Gemüsesticks, Kräuter-Dip, frischen Früchten und Joghurt. Opulenter kommt der "Love & Kisses Picknickkorb für Verliebte" daher, der zusätzlich mediterranes Grillgemüse, Pralinen, Früchte in Schokolade und Himbeertörtchen bietet. An dem Weidenkoffer, der den Gästen übergeben wird, baumelt eine gut gekühlte Flasche Rosé-Sekt. "Mit dem Angebot wollen wir unseren Gästen ein Stück Landleben in der Stadt bieten", erklärt Sous-Chef Christian Fritsch.

Asiatisches im Schlosspark

Eine weitere Picknick-Variante genießen Berliner vorzugsweise im Garten von Schloss Charlottenburg. Die Körbe des Restaurants Kien-Du-Kiang-Thong in der nahe gelegenen Kaiser-Friedrich-Straße werden mit nordthailändischen Spezialitäten wie Glasnudelsalat, Hühnerfleisch-Sate, gedämpftem Gemüse und stark gewürztem Naturreis gefüllt. Für Vegetarier wandeln die Köche einige Gerichte auf Wunsch mit Tofu ab. "Da es in Südost-Asien keine wirkliche Picknick-Tradition gibt, haben wir uns an den Speisen orientiert, die die Bauern morgens mit auf die Felder nehmen", erklärt Trixi Prabhawat, die das Restaurant seit 38 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Dju betreibt. Die Gerichte werden von ihr warm eingepackt, können aber auch lauwarm oder kalt gegessen werden. Da sie fettarm sind, leidet der Geschmack auch nicht, wenn sie erst Stunden später auf die Decke kommen.