Gourmetspitzen

Hier geizt die Küche mit Kräutern und Gewürzen

Wenn ich meine Bewertung eines Restaurants mit dem Service und nicht mit der Küche beginne, muss der qualitative Unterschied schon gewaltig sein. So habe ich es im mediterranen Restaurant Malatesta mit großer Terrasse zum Gendarmenmarkt erlebt.

Von der Begrüßung über die Beratung bis hin zur herzlichen Verabschiedung war das eine Gästepflege vom Feinsten, einfach ein richtig guter Service.

Die Küche machte auch keine groben Fehler, war auch kaum möglich bei der beispiellosen Geschmacks- und Aroma-Neutralität, die sie produzierte. Gewürze, Kräuter, gar Aroma-Kombinationen? Fehlanzeige. Das Thunfisch-Carpaccio bestand aus hauchdünn geschnittenen, kreisrunden Scheiben vom Tuna, die hübsch anzusehen waren aber geschmacklich genau so gut, oder besser: geschmacklich so überzeugend waren, wie der Biss in eine Pizza-Verpackung. Schade.

Leider war auch die weitere Speisefolge durchaus zum Fotografieren geeignet, weil das Produkt ordentlich aussah, nicht aber zum Genießen. Der Pulpo-Salat war für 10,50 Euro eine große Portion, aber völlig ohne Würze. Die Scaloppina di Vitello, die dünnen Kalbsschnitzel, lechzen förmlich nach Salbei, einem Kraut, das die Küche ebenfalls verweigerte. Die Seezunge war perfekt gegrillt, auf den Punkt gegart, durchaus handwerklich beachtlich, aber ohne gefühlvoll verabreichte Aromen. Da schmeckt auch ein Pappkarton nicht viel anders.

Zum Positiven: Die Nudelgerichte sind preiswert kalkuliert, von 9,50 bis 19,50 Euro, da gibt es dann eine große Portion King Prawns zu Linguine und Kirschtomaten. Nicht nur Kinder mögen Pizza, diese Erfindung aus Napoli, wo alle Reste aus dem Kühlschrank verarbeitet werden. Die besten Produkte kommen inzwischen aus dem Steinofen und davon bietet das Malatesta gleich zehn Variationen. Eine Empfehlung gibt es freilich auch: die Lasagne aus dem Ofen. Beim Erhitzen geben die Tomaten ein so kräftiges Aroma, dass der Geschmack auch bei kritischer Betrachtung akzeptabel ist. Internationale Langeweile dagegen wieder bei den Desserts. Vanilleeis, Tiramisu, Panna Cotta, das ist wahrlich nicht sonderlich kreativ. Erwähnenswert ist auch hier nur der günstige Preis von sechs Euro.

Für Gäste, die nicht lange suchen wollen, sind gleich vier Menüs mit Salat, Suppe, Hauptgang und Espresso im Angebot (zwischen 11,50 und 18,50 Euro). Dafür serviert der freundliche Kellner dann beispielsweise Spargelsalat mit frischen Erdbeeren, eine Dorade Royal vom Grill auf Rucola und Tomaten. Eine gute Offerte, ja, wenn doch nur die Küchencrew einen Würz-Lehrgang machen würde. Von einem Platz in diesem Restaurant aus kann man außerordentlich schön Leute beim Flanieren beobachten. Zudem geht der Blick auf die historischen Gebäude des Gendarmenmarktes. Das Lokal war durchaus ansprechend besucht. Man kann sich da nur wünschen, dass es endlich die Kurve bekommt.

Das war bei früheren Versuchen, so unter dem Namen "Langhans" nicht der Fall. Bei meinem Besuch im Malatesta dagegen saßen etliche Politiker an den kleinen Tischen. Eine Aufwertung dieser Adresse? Mein Begleiter erzählte mir schmunzelnd, dass der große Mark Twain einmal einen Freund gebeten hat, seinen Eltern gegenüber zu verschweigen, dass er Politiker geworden war. Sie sollten weiter glauben, dass er als Pianist im Bordell arbeite. Das sei deutlich ehrenhafter.

Das von einem Schweizer Architekten in schlichter, moderner Eleganz gestaltete Haus bietet im ersten Obergeschoss einen schönen Speisesaal (beliebt bei Gruppen) mit vielen weißen Elementen und großzügigem Platzangebot. Ebenerdig geht es in schmuckloser Bistro-Atmosphäre doch recht eng (und laut) zu. In jeder Beziehung also ein Restaurant mit zwei Seiten.

Zu den wirklich positiven Wertungen muss man die Weinpflege zählen. Allzu häufig passiert es, dass an heißen Sommerabenden das erste Glas vom trockenen Weißwein verschenkt ist, weil er in vielen Restaurants nicht kalt genug serviert wird. Unser Chardonnay von Colli hatte die richtige Temperatur und wurde in einen Kühler gestellt, der nicht nur ein paar versprengte Eiswürfel hatte, sondern bis oben gefüllt war. Etliche Kreszenzen werden auch glasweise oder als halbe Flaschen angeboten. Bei den roten Weinen sind es meist junge Jahrgänge, die auf der Karte sind. Preiswerte Weine dominieren. In den hochklassigen Bereich blinzelt allein der Tignanello von Antinori aus der Toscana, der mit 125 Euro ausgepreist ist. Die Roten werden dekantiert, alles keine Überraschung, weil die Weinpflege ja zum Service gehört, und, da schließt sich der Kreis, der ist ansprechend gut.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost

Ristorante Malatesta Charlottenstraße 59, Gendarmenmarkt, Mitte, Tel.20 94 5071/-72, geöffnet täglich von 12 bis 23.30 Uhr