Bühnencheck

Jubiläum der "Mausefalle"

Mollie hat da so eine Ahnung: "Vielleicht kann man ja niemandem trauen." Und damit liegt sie ziemlich richtig. Zumindest hier, auf der kriminellsten Bühne von ganz Berlin.

Das Berliner Kriminal Theater im Friedrichshainer Umspannwerk Ost ist das einzige Theater der Stadt, in dem nur Krimis gezeigt werden. Der prominenteste im Repertoire ist Agatha Christies Klassiker "Die Mausefalle". Sie schnappt am Freitag zum 1000. Mal zu.

Am 25. Januar 2001 wurde das Stück erstmals im Kriminal Theater, damals noch an der Nürnberger Straße, gezeigt. Seitdem bewegte 150 000 Zuschauer die Frage: Wer ist der Frauenmörder aus der Culver Street? Dieser hat es sich in der kleinen Pension von Mollie und ihrem Mann Giles bequem gemacht. Und plant neue Morde. Insgesamt acht Personen sind, durch ein Unwetter von der Außenwelt abgeschnitten, dort auf sich gestellt. Regisseur und Theaterdirektor Wolfgang Rumpf skizziert in britischem Ledercouchambiente einen charmant-nostalgischen Ratespaß, sehr spannend und ebenso unterhaltsam. Denn jede Figur ist eine schräge Type und könnte Mörder oder nächstes Opfer sein.

Krimi-Queen Christie hatte die klassische Whodunit-Story 1947 als Hörspiel geschrieben. Sie kam 1952 auf die Theaterbühne und läuft bis heute im Londoner West End. Damit ist "Die Mausefalle" das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt. Viele Anekdoten ranken sich um den Theaterbestseller, zum Beispiel die, dass Winston Churchill den Täter schon in der Pause entlarvt haben soll. In Berlin liegt zu diesem Zeitpunkt eine Leiche im Salon. Die erste Leiche der ersten Vorstellung war übrigens Brigitte Grothum.

Inzwischen, so Regisseur Rumpf, habe er 58 Schauspieler im Einsatz gehabt. Bis heute gilt überall auf der Welt, niemand solle, wenn er das Theater verlassen hat, den Namen des Mörders verraten. Auch in Berlin werden die Zuschauer zu Stillschweigen ermahnt. Es soll doch spannend bleiben.

Berliner Kriminal Theater Umspannwerk Ost, Palisadenstraße 48, Friedrichshain, Jubiläumsvorstellung mit Party am 17. Juni, 20 Uhr, Tel. 479 974 88, 28 Euro