Pfingstausflüge

Mehr Natur geht nicht

Wenn an diesem Sonntag der Karneval der Kulturen durch Berlins Straßen tobt, mag mancher sich nach Ruhe, Grün und wohldosierter Kultur sehnen. Das ist in Brandenburg zu haben

Fläming: Vom Isländer im Glauer Tal zum Klosterbruder in Zinna

Küstenstimmung fernab der See bietet der Naturpark Nuthe-Nieplitz. Dort befindet sich eine neun Hektar große Wanderdüne, eine der letzten aktiven Flugsanddünen abseits der Küste. "Bitte selbst wandern", lautet die Botschaft. Immer wieder queren die Flüsschen Nuthe und Nieplitz den Weg. Die Glauer Berge sorgen für romantische Aussichten, das Wildgehege Glauer Tal für den Anblick von Mufflons, Damwild, Rotwild und Islandpferden. Sogar Wasserbüffel leben im Niederen Fläming. Für Kultur sorgt das "Bettina und Achim von Arnim" Museum in Wiepersdorf (heute und morgen von 13 bis 16 Uhr geöffnet, ebenso das Café in der Orangerie). Hochgeistiges verspricht das 1170 gegründete Kloster Zinna. Dort wird der süße Kräuterlikör "Zinnaer Klosterbruder" hergestellt.

Potsdam: Weltkulturerbe für Einstieger und Ortskundige

Es solle ein Paradies werden, sagte Kurfürst Friedrich Wilhelm 1660 über Potsdam. Der Wunsch ging insofern in Erfüllung, als dass die Stadt als schöne kleine Schwester Berlins gilt. Schließlich ist sie samt Umgebung 1990 von der Unesco als größtes Ensemble in Deutschland zum Welt- und Kulturerbe ernannt worden. Für Einsteiger - oder zur Auffrischung: Führungen durch die Altstadt beginnen täglich um 15 Uhr bei der Tourismus Information (Brandenburger Straße 3).

Spreewald: Gurken, Doppelkirchen und Krimininalgeschichten

Ein Klassiker unter den Ausflügen ins Berliner Umland ist der Besuch im Spreewald: sei es wegen der Gurken, wegen der Kahnfahrten oder wegen der mondänen Wellness. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wer den Spreewald verstehen will, muss ins Museumsdorf Lehde (bei Lübbenau) mit seinen zwei Feuerwehrhäusern und dem Freilandmuseum. Es ist eine Lagunenstadt im Taschenformat, teilweise nur übers Wasser zu erreichen. Spannend wird es in Vetschau. Dort steht die Wendisch-Deutsche Doppelkirche, Rücken an Rücken, durch eine Sakristei verbunden. Der deutsche Teil galt einst als Prestigeprojekt. Wenn man sich gar nicht bewegen will, sollte man sich wenigstens ein Buch von Michael Klein besorgen. Klein schreibt Krimis über den Spreewald.

Brandenburg: Mit dem Floß übers Wasser, zu Fuß ins Mittelalter

19 Prozent der Stadtfläche Brandenburgs bestehen aus Wasser. Vermutlich besitzt fast jeder Havelstädter ein Boot. Besucher können sie vielerorts leihen, stundenlang Kanu fahren, sich auf Flößen treiben lassen, einen Törn auf dem Hausboot machen oder eine Dampferfahrt unternehmen. Auch Fußgängern ist Wasser allgegenwärtig: Der Weg durch die Stadt führt fast immer über eine der 58 Brücken. Die meisten Besucher (rund 50 000 Menschen jährlich) zieht es zum Dom St. Peter und Paul. Den Grundstein legten Anhänger des Ordens der Prämonstratenser im Jahr 1165. Montags führt Magdfrau Christine ins Mittelalter, von der St. Katharinenkirche bis zur Jahrtausendbrücke (Tel. 03381 796 360, 5 Euro).

Prignitz: Pilgern nach Bad Wilsnack und schwimmen im Waldbad

Warum zum Pilgern nach Spanien fahren? Das "Santiago Nordeuropas" lag einst in Bad Wilsnack. Zur Zeit der Vorreformationszeit war der Ort eines der fünf größten Pilgerzentren überhaupt. Der Legende nach sind dort Spuren heiligen Blutes aufgetaucht. Ziel der Pilger war die Wunderblutkapelle, ein Anbau am südlichen Querschiff von St. Nikolai. Sie birgt den Wunderblutschrein, der einst eine Monstranz mit drei "Bluthostien" enthielt. Wer mag, unternimmt einen Abstecher ins Waldbad in Pritzwalk. Wetterfest ist ein Besuch auf der Burg Lenzen, einem Besucherzentrums des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (10 bis 18 Uhr geöffnet), wo über den Zug der Gänse, das Leben der Biber und der Störche berichtet wird.

Ostprignitz-Ruppin: Vom Fliegen in Fehrbellin zu Fontane in Neuruppin

Fliegen - wer will das nicht? Der Mensch ist allerdings leider nicht geschaffen dafür. Aber er tut gern so, als ob. Er baut Flugzeuge, Flugplätze und Fallschirme. Dieses geheime Verlangen, in Verbindung mit geschulten Lehrern, hat den Flugplatz Ruppiner Land in Fehrbellin zu einer renommierten Springer-Schule gemacht. Tandemflüge sind möglich, sogar ein Singlesprung nach nur dreitägiger Ausbildung. Vorsichtige sehen vom Café aus den Profis und Anfänger zu, die in vier Kilometern Höhe aus dem Flugzeug springen. Gelegentlich verfliegt sich einer und landet bei in der schönen Stadt Neuruppin.

Uckermark: Märchenland Templin und Klostermühle Boitzenburg

Die Uckermark steht für Weite und Ruhe. Der Landkreis ist mit mehr als 3000 Quadratkilometern Fläche größer als das Saarland - aber dünner besiedelt. Etwa 145 000 Menschen leben dort. Plus Frau Holle. Sie schüttelt Kissen und Schnee im Märchenland Templin (Sonntag, neun bis 18 Uhr, zwei Euro pro Stunde). Besucher können in Kostüme schlüpfen und mitspielen im Hexenhaus und am Märchenbrunnen. Auch Kutschfahrten sind möglich, in der Nähe beim Gestüt Lindenhof in Templin oder beim Archehof Falkenhain im Boitzenburger Land. In der Klostermühle Boitzenburg ist am Pfingstmontag Mühlentag. Ein Pferd erhält neue Beschläge, Seildrehen wird vorgeführt, auf ein Leiterwagenrad kommen neue Reifen. Um elf Uhr (auch Pfingstmontag) hat das Laientheater "Die Mühlengeister" in der Klosterruine Premiere.