Mein perfekter Sonntag

Endlich Zeit für Kunst

Sonntagvormittag im Tiergarten: Schauspieler Walter Kreye spaziert mit seinem Hund Cooper, benannt nach Gary Cooper, unerkannt durch den weiträumigen Park in Nähe der Siegessäule. Der Nachfolger von Rolf Schimpf in der ZDF-Krimi-Reihe "Der Alte" genießt jeden freien Tag in der Hauptstadt.

Seit Anfang Juni dreht er in München neue Folgen der populären Serie und fliegt an jedem Wochenende oder drehfreien Tag nach Berlin.

"Was für eine wunderbare, vielschichtige Stadt. Schon die Menge der Bäume in Berlin finde ich einen Knüller. Allein das bringt schon eine enorme Lebensqualität", sagt Kreye. Nicht nur wegen der langen Spazierwege schätzt der Schauspieler den Tiergarten. In der Nähe findet der Mime zudem den Hamburger Bahnhof mit dem Museum der Gegenwart . "Den Sonntag nutze ich gerne für Ausstellungen. Dann habe ich endlich Zeit und Muße für die Kunst", sagt der 68-Jährige.

Nach der Ausstellung ins Restaurant

An diesem Pfingstsonntag möchte sich Walter Kreye die Gastausstellung "Based in Berlin" mit Werken junger Künstler ansehen, aber auch die spezielle Führung zur Ausstellung "Von den 1960ern bis zur Gegenwart" interessiert ihn. "Der Hamburger Bahnhof hat eine ganz eigene Atmosphäre", resümiert Kreye und betrachtet im Gartengelände vor dem Bau schmunzelnd die gelbe, etwas unförmige Plastik "Lob" des Wieners Franz West, der zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern in Österreich zählt. Eine Museumsmitarbeiterin sagt, die pfiffigen Berliner hätten dem Kunstwerk längst den Namen "Kartoffel" verpasst. Nach der Ausstellung zieht es Kreye ins Restaurant und Café von Sarah Wiener , sehr praktisch im Hamburger Bahnhof gelegen.

Ein weiterer Anziehungspunkt ist für Walter Kreye das Kulturforum am Potsdamer Platz . Zu dem international renommierten Gebäudeensemble gehören unter anderem die Philharmonie, die Neue Nationalgalerie, der Kammermusiksaal, die Neue Gemäldegalerie und die Staatsbibliothek. "Schon die Philharmonie ist ein Grund für einen Besuch auf dem Kulturforum", sagt Kreye, der in Charlottenburg am Lietzensee mit seiner Frau, der Schauspielerin Sabine Wegner, in einer geräumigen Altbauwohnung lebt - sozusagen in guter Gesellschaft. "Nebenan wohnt mein Kollege Jürgen Heinrich, ganz in der Nähe hat auch Christoph Waltz sein Domizil und am anderen Ufer des Sees wohnt Michael Mendl", erzählt der Serienstar und Vater von zwei Töchtern. Emma (16) geht ab August für ein Jahr nach Kanada, die 24-jährige Paula hat Erfolg als Musikerin, spielt und singt in einer Band. Aber auch die Arbeit hinter der TV-Kamera interessiert sie. "Momentan hospitiert meine Älteste bei einem Fernsehspiel", sagt Kreye.

Der Sonntag beginnt für ihn gegen 9 Uhr. "Meistens weckt mich unser Hund", sagt er. Dem Hausherrn reicht ein Müsli mit frischen Früchten. "Seit ich nicht mehr rauche, seit nunmehr elf Jahren, trinke ich statt Kaffee lieber Tee." Anschließend geht es mit Cooper zum Kurztrip in den Lietzenseepark und zum Zeitungsgeschäft von Barbara Hunger an der Leonhardtstraße 13. Dort kauft der Schauspieler aktuelle Sonntagszeitungen und seine Lieblingszeitschrift, das Kultur- und Reisemagazin "Mare".

Ein Glas Wein am Stuttgarter Platz

Berlin hat er in "zwei Etappen" für sich entdeckt. "1987 zog ich zum ersten Mal hierher. Alles schien mir viel freier als in Hamburg. In Berlin guckt niemand, was man anhat und welches Auto man fährt. Wir wohnten in einer Altbauwohnung an der Trendelenburgstraße, übrigens nur wenige Straßen von unserer heutigen Wohnung entfernt. Täglich musste ich 94 Stufen zum vierten Stock hinauf laufen. Damals war ich so schlank wie noch nie im Leben", erinnert sich Kreye. Auch die Maueröffnung erlebte er in Berlin. "Ich stand mit Charles Brauer und Christian Berkel in dem Stück ,Maß für Maß' im Schillertheater auf der Bühne. Unvergesslich, dieser Abend und die Nacht mit den fröhlichen Menschen auf den Straßen."

Später zog es ihn dennoch mit der Familie für 17 lange Jahre in ein 300 Quadratmeter großes Bauernhaus an der Nordsee. "Ich war ja viel zum Drehen unterwegs. Daher vermisste ich das Großstadtleben nicht so sehr. Und unsere Töchter profitierten vom dänischen Schulsystem. Das war hervorragend."

Seine Frau Sabine war es, die unbedingt zurück nach Berlin wollte. "Wir haben seither keinen Tag bereut", sagt er. Besonders mit Berliner Polizisten verbindet er gute Erinnerungen. "Nachdem wir ab 2008 wieder in Berlin wohnten, wollte ich mit meinen Töchtern zum Café am Neuen See in Tiergarten, wusste aber die Adresse nicht mehr. Kurz entschlossen bin ich zu einem Funkwagen gegangen. Die Beamten sind daraufhin vorneweg gefahren. Einmalig! Wo findet man schon solche netten Polizisten wie in Berlin." Den Sonntag beschließt Walter Kreye oft und gerne im Gasthaus Leonhardt am Stuttgarter Platz . Dort kann er in aller Ruhe auch mal mehr als ein Glas Wein trinken - das Lokal liegt nur wenige Minuten Fußweg von seiner Wohnung entfernt.

"Wo findet man schon solche netten Polizisten wie in Berlin?"

Walter Kreye, Schauspieler