Bühnencheck

Unter freiem Himmel

Endlich wieder Freiluftaufführungen im Hexenkessel-Hoftheater. Nach aufwendigen Umbauten bietet es nun die perfekte Kulisse für Carlo Goldonis fast 300 Jahre alten Klassiker "Der Diener zweier Herren".

Regisseur Jan Zimmermann hat das Stück textlich modernisiert und mit vielen neuen Pointen versehen. Doch man muss schon ein eingefleischter Commedia dell'arte-Fan sein, um sich 90 Minuten lang durchgängig zu begeistern. Denn der Inhalt des "Dieners" ist wirklich schnell erfasst: Der ewig hungrige, bettelarme Diener Truffaldino heuert in der Hoffnung auf doppelten Lohn gleich bei zwei Herren an und stiftet dadurch ungeheure Verwirrung. Zum einen verdingt er sich bei Beatrice, die, als Mann verkleidet, nach Venedig gereist ist, um ihren Geliebten Florindo zu suchen und Geschäfte mit einem Signore Pantalone abzuschließen. Sein zweiter Herr ist eben jener Florindo. Ihn allerdings treibt der unglückliche Truffaldino mit seiner köstlichen Tölpelhaftigkeit fast zur Weißglut.

Herrscht bei Goldoni sonst ein kindlich-überdrehtes Tür-auf-Tür-zu, wird im pittoresken, dreistöckigen Bühnen-Treppenhaus des Hoftheaters, mit seinen Aufgängen und Galerien stattdessen nun reichlich treppauf, treppab gelaufen. Davon wird dem Zuschauer unweigerlich schwindelig. Zwar passen derlei derbe Slapstick-Einlagen wunderbar zum Stück. Aber nach mehrmaliger Wiederholung ist der Spaß dann irgendwann nur noch zäh.

Man würde sich bei der Klamotte möglicherweise sogar langweilen, wären da nicht die opulenten, knallbunten Kostüme, in denen das Ensemble durch die Kulissen fegt. Begeisternd auch jeder Auftritt von Signor Pantalones entzückendem, lispelndem Kammermädchen Smeraldina (Rebekka Köbernick), die Truffaldino geschickt den Kopf verdreht. Umwerfend auch Pantalones Tochter Clarice, die von Vlad Chiriac zwischen Falsett und Bariton als furchterregende Drama-Queen gespielt wird. Große Freude im Publikum schließlich über ihren Verlobten Silvio (Manolo Palma), der pausenlos allerfeinstes Asterix-Latein von sich gibt, und keine Gelegenheit auslässt, ganz liebestrunken zu beweisen, wie sehr er seiner Clarice verfallen ist. Nicht einmal ihre Ausbrüche unter Einsatz eines Degens können ihn schrecken. Errare humanum est, wie es bei Asterix heißen würde. Zu Deutsch: Irren ist menschlich.

Hexenkessel- Hoftheater Monbijoupark, Mitte, Tel. 288 86 69 99, bis 3. 9., Dienstag bis Sonnabend um 19.30 Uhr, weitere Premieren: "Ein Wintermärchen" (21. 6.), "Der eingebildete Kranke" (20. 7.)