Mein perfekter Sonntag

Zwischen Flakturm und Gleimtunnel

Seit zwei Jahren lebt er in Berlin. Der Schauspieler Peter Jordan, bis dahin stets fest an ein Ensemble gebunden, hatte sich 2009 entschieden, freiberuflich zu arbeiten. Und zog mit Lebensgefährtin Maren Eggert, ebenfalls Schauspielerin und am Deutschen Theater Berlin engagiert, nach Prenzlauer Berg.

"Als Theaterschauspieler hat man selten sonntags frei", sagt der 44-Jährige bei einer Tasse Kaffee im Café Schwesterherz in der Kopenhagener Straße 22 . Sein perfekter freier Sonntag fängt immer mit einer Tasse Kaffee an. "Sobald das Wetter schön ist, muss einfach ich raus aus der Wohnung", sagt er. Bei schlechtem Wetter kann es allerdings auch schon mal vorkommen, dass Peter Jordan seinen Sonntag vor dem Fernseher verbringt - zumindest die ersten vier Stunden nach dem Aufstehen.

"Tatort" wurde zum Ritterschlag

Peter Jordan ist ein gefeierter Darsteller zwischen Dortmund, Hamburg und Salzburg. Dort spielt er Ende Juli wieder den Tod im "Jedermann". Derzeit steht er am Deutschen Theater in Gorkis "Kleinbürger" auf der Bühne. Den meisten dürfte er aber durch den "Tatort" bekannt sein. In der Hamburger Ausgabe spielt er als Kommissar Uwe Kohnau den Vorgesetzten des verdeckten Ermittlers Cent Batu (Mehmet Kurtulus). "Es war schon ein Ritterschlag, für diese Rolle gefragt zu werden", sagt der Schauspieler, der mit der ARD-Serie groß geworden ist - und die Gegensätze zwischen Film und Bühne schätzt. "Das Theaterspielen braucht viel mehr Energie. Man muss allein durch die geforderte Lautstärke schon mehr Kraft aufbringen", sagt er. "Beim Filmdreh hingegen folgt einem die Kamera. Der Schauspieler kann deshalb viel mehr bei sich sein und auch ganz leise spielen."

Am liebsten wäre Peter Jordan allerdings Rockstar geworden. "Vor 20 000 Leuten stehen und rufen: ,Wie geht's euch?' und als Antwort ein ,Yeah!' bekommen, das wäre doch nicht schlecht, oder?" Beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen läuft das etwas schlichterab. Am Montag früh erhält Peter Jordan einen Anruf - und wird über die Einschaltquote des "Tatorts" informiert.

Peter Jordan stammt ursprünglich aus Dortmund, wo auch seine Theaterkarriere begann. Nach längeren Jahren in Hamburg ist er nun in Berlin angekommen. "In Berlin hat man das Gefühl, dass man nirgendwo mehr hin muss, denn hier trifft man die ganze Welt", sagt er. Vor allem die einzigartige Rolle, die die einst geteilte Stadt in der Weltgeschichte gespielt hat, beschäftigt ihn. Deshalb sucht er an seinen freien Sonntagen gern geschichtsbeladene, oft auch düstere Plätze auf. Der Gleimtunnel ist einer dieser Orte. Hier verlief einst die Sektorengrenze zwischen dem französischen und dem sowjetischen Sektor Berlins. Mit dem Bau der Mauer 1961 wurde die Unterführung geschlossen und erst 1989/90 wieder geöffnet. Auf dem Tunneldach, einst Teil des Todesstreifens, wachsen Birken. "Irgendwie kann ich es immer noch nicht glauben, dass man es geschafft hat, eine halbe Stadt so abzuschotten", sagt Jordan. "Die Insellage von Berlin mitten im Herzen Europas ist für mich manchmal kaum nachvollziehbar." Peter Jordan, der schon mit 15 Jahren einen Marathonlauf in drei Stunden und 23 Minuten schaffte, lief 1984 seinen ersten Marathon im geteilten Berlin. "Ich erinnere mich noch genau daran, dass wir an der Mauer entlang gelaufen sind und die Schwämme, die zur Kühlung mit Wasser getränkt waren, dann über die Mauer geworfen haben." Ob wohl er sich über Jahre dem Laufsport verschrieben hat, rät er vom Marathonlaufen eher ab: "Es ist anstrengend, man sieht blöd aus und Frauen lernt man auch keine kennen."

Führung durch den Bunker

Ein weiterer Lieblingsplatz, den der Schauspieler sonntags immer wieder besucht, ist der Flakturm Humboldthain . Im Herbst 1940 wurde auf Befehl Hitlers mit der Planung der bewaffneten Betongiganten begonnen. Sie sollten den Berliner Innenstadtbereich gegen Bombenangriffe verteidigen. Vom Oktober 1941 bis zum April 1942 bauten italienische Freiwillige sowie französische Zwangsarbeiter zwei Bunkeranlagen. Im Flakturm Humboldthain gab es etwa 15 000 Schutzplätze für die Zivilbevölkerung. Nach dem Krieg und dem folgenden kalten Winter war der Humboldthain praktisch zerstört. Die Bäume waren zum Heizen abgeholzt, nur die Bunker standen noch. Nach den teilweise missglückten Sprengversuchen sind beide Bunker teilweise zugeschüttet worden und um sie herum entstand ein völlig neu gestalteter Park. Der Verein Berliner Unterwelten e.V. hat einen Teil der Bunkerruine wieder begehbar gemacht. "Man sollte sich so eine Bunkerführung nicht entgehen lassen", sagt Peter Jordan. "Es ist extrem spannend."

Ebenfalls spannend, vor allem beruhigend wirken auf ihn die Friedhöfe an der rund 500 Meter langen Liesenstraße , die heute Teil des Berliner Mauerweges ist. "Hier ist es so schön still, niemand grillt oder badet in der Sonne", sagt der Schauspieler. Peter Jordan mag den morbiden Flair der Stätte. Am Abend geht er dann gerne ins Kino, falls er nicht selber auf der Bühne steht. Denn: "Man muss sich ja anschauen, was die Kollegen so machen."

"Die einstige Insellage Berlins ist für mich kaum nachvollziehbar"

Peter Jordan, Schauspieler