Film

"Morgen das Leben": Drei Münchner suchen Neues

Hauptsache Veränderung, das wünscht sich Ulrike und schmeißt ihren Job beim Sozialreferat hin.

Um die vierzig ist sie, da geht noch was, also lernt sie Masseurin, Verspannungen haben ja Konjunktur. Es muss sich was tun, diesen Wunsch kennt auch Jochen, der in einer Art Männerwohnheim darbt und als Versicherungsvertreter den Neuanfang wagt. Und Judith, Ex-Stewardess und alleinerziehend, hält sich mit Heimarbeit über Wasser und hat irgendwann endlich mal wieder Sex.

Dass diese drei Münchner Lebenswege in "Morgen das Leben" viel mit der Vereinzelung des neoliberal herangezüchteten Menschen zu tun haben, der zu glauben gelernt hat, für sein Elend selbst verantwortlich zu sein, unterstreicht Regisseur Alexander Riedel durch die spröde episodische Struktur seines Spielfilm-Debüts: Es gibt zwar jede Menge Parallelen zwischen den Dreien, aber die Linien berühren sich nicht. Nur am Ende, abrupt.

Über die Hintergründe erfahren wir wenig, was in diesem Fall die Seh-Zeit teils lang werden lässt. Doch fühlt man sich den Figuren nah durch zarte, harte Momente, die Riedel bei seinen Schauspielern Ulrike Arnold, Jochen Strodthoff und Judith Al Bakri einfängt. Ulrikes wortloses Glück etwa, als ihre Hände erstmals über einen Rücken streichen - da ahnt man, wie sie die Beschimpfungen im Sozialreferat satt hatte. Mit Massagen verbessert sie zwar nicht die Verhältnisse, aber ihr Gefühl.

Riedel, der als fein beobachtender Dokumentarfilmer bekannt ist ("Draußen bleiben") und auch hier auf maximale Natürlichkeit setzt, spielt zwar mit der Grenze zwischen Fiktion und Realität (schon durch die Namensgleichheit von Darstellern und Figuren), weiß aber daraus weder ästhetisch noch inhaltlich neue Funken zu schlagen.

Drama: Deutschland 2010, 92 Min., von Alexander Riedel, mit Ulrike Arnold, Jochen Strodthoff, Judith Al Bakri

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