Berliner Perlen

Im Garten des Dr. Moshiri

Schnittlauch, Petersilie, Dill waren jahrzehntelang die einzigen Kräuter, die Einlass in deutsche Küchen fanden. Dann drang das weitgehend geschmacksneutrale Plastiktöpfchen-Basilikum in heimische Supermärkte vor. Zuletzt kamen Koriander und Bärlauch dazu.

"Die Kräuterkultur in Deutschland ist wirklich sehr arm", sagt Ali Moshiri, der es zur Aufgabe gemacht hat, den Berlinern die Liebe zu exotischen Pflanzen wie Zitronen-Ysop, Berg-Knoblauch, Silber-Sauerampfer und Stevia nahezubringen.

Den "Exotischen Kräutergarten Dr. A. Moshiri" betritt man durch ein großes Tor, um über einen verschlungenen Pfad zu einer Gruppe Gewächshäuser zu gelangen, die von großen Beeten eingerahmt sind. Die Glashäuser beherbergen unzählige Blumentöpfe, auf dem Boden stehen orientalische Vasen, an den Wänden hängen bunte Tücher. Das Ganze wirkt wie ein kleines Gartencenter mit Basar-Flair. "Riechen Sie doch mal!", fordert Ali Moshiri seine Kunden nur allzu gern auf und nimmt einen der Blumentöpfe in die linke Hand. Mit der rechten streicht er an den Blättern entlang, um die ätherischen Öle freizusetzen. "Wonach riecht das?", fragt er, um gleich darauf die Antwort zu geben: "Erdbeer! Das ist eine Erdbeer-Minze. Ausgesprochen mentholarm, sie hat einen ganz hervorragenden, milden Geschmack."

Eilig durch die Gewächshäuser

Der Kräuter-Experte redet viel und sehr schnell. Dabei reicht er ein Töpfchen, in dem ein persischer Berg-Oregano wächst. Das Kraut riecht weitaus kräftiger als seine Verwandten, die aktuell in den Lebensmittelgeschäften angeboten werden. "Ein wunderbares Aroma, was? Gibt man der Pflanze weniger Wasser, wird es sogar noch stärker", bemerkt Ali Moshiri und geht eiligen Schrittes weiter durch die Gewächshäuser, während er immer wieder hier und dort ein Blättchen abzupft und den Kunden uns mit den Worten "Riechen Sie" oder "Kosten Sie" reicht.

Das Pfefferkraut hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Kaut man die kräftigen Blätter langsam, schmecken sie zunächst mild. Nach wenigen Sekunden aber explodiert der Geschmack von frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer auf der Zunge.

Mehr als 480 Kräuter hat der gebürtige Iraner im Angebot, darunter 20 Sorten Basilikum. Es gibt persisches Zitronen-Basilikum, lila Basilikum, das dunkelviolette "African Blue", das so genannte "ausdauernde Basilikum" aus Mexiko. "Das haben schon die Azteken geschätzt", sagt Ali Moshiri. Auch Salbei- und Minze-Sorten führt er, zudem Ungewöhnliches wie chinesischen Wermut und einen großen Topf mit langen Stängeln und runden Blättern. "Das ist Wasabi", erklärt Moshiri einer Kundin. "Nach drei Jahren kann man die Wurzeln verarbeiten."

Besonders beliebt bei den Kunden sind Moshiris abwechslungsreicher Wildkräuter-Salate, die er auf Vorbestellung zusammenstellt. Zum Einsatz kommen dabei weniger Exoten, als vielmehr die heimischen Wald- und Wiesenkräuter. Auch für derart Normales hat er Geschmack.

Moshiris Liebe zu Kräutern begann in seiner Heimat, der iranischen Rosenstadt Shiraz. "Ich bin in einem Haus mit großem Garten und vielen Zitronen-Bäumen aufgewachsen", sagt er. "In einer Ecke gab es ein Kräuterbeet, das ich schon als Kind liebte." Als er vor 30 Jahren nach Berlin kam, um dem gefürchteten iranischen Militärdienst zu entfliehen, vermisste er die orientalischen Kräuter schmerzlich: Ihre Düfte, ihre Aromen und ihre wohltuende Wirkung. Zunächst studierte er Biologie bis zum Vordiplom, wurde dann Tierarzt und promovierte in Pharmakologie. "Ich war bestens ausgebildet für eine Karriere in der Pharmaindustrie. Dort hätte ich mein Geld leichter verdienen können. Aber meine Arbeit wäre nicht so schön und naturverbunden gewesen."

So beschloss er vor 14 Jahren, sich seiner wahren Leidenschaft zu widmen. Er pachtete Gewächshäuser in Schleswig-Holstein, besorgte Samen ungewöhnlicher Kräuter und begann bald, die aufgezogenen Gewächse zu vertreiben. Drei Jahre später machte er einen Kräutergarten in Teltow auf, der später nach Charlottenburg umzog. "Aber wir wollen hier wieder fort", sagt er mit Blick zur Stadtautobahn. Der neue Garten soll größer sein und ein angeschlossenes Café haben, in dem die Kunden Kräutertees trinken und Salat essen können.

Kochkurse und Kindergruppen

Längst sieht sich Ali Moshiri, der sein Wissen über Kräuter autodidaktisch erworben hat, nicht mehr als reiner Geschäftsmann. Er ist ein Mann mit einer Mission. Moshiri schult Köche, legt Kräutergärten an, gibt Kochkurse und bietet für Gruppen von bis zu 15 Kindern mittwochs eine kostenlose "Geschmackschule" an. Neben der Gärtnerei betreibt er den Laden "Rango Bu" in Charlottenburg. Dort gibt es Teppiche, Taschen, Decken, persisches Kunsthandwerk und selbstverständlich auch von ihm entwickelte Kräutermischungen, Elixiere sowie verschiedene Sorten Essig.

Und was ist sein Lieblingsgeschmack? "Eine Mischung aus einer persischen und einer südafrikanischen Minze", sagt er. Die eigens von ihm entwickelte Kreuzung hat einen milden, aber sehr frischen Geschmack und einen starken Abgang. Ihr Name: Die Moshiri-Minze.

Exotischer Kräutergarten Fürstenbrunner Weg 72, Westend, Tel. 322 66 36, Mi.-Fr. 11-17 Uhr, Sbd. 10.30-17 Uhr

Rango Bu Christstr. 29 A, Charlottenburg, Mi.-Fr. 10-13 Uhr, Sbd. 10-14 Uhr