Berlin genießen

Steak ist der Star

In kaum einem Bereich eines Hotels gehen die Ziele der Betreiber so weit auseinander wie bei der Gastronomie. Während die einen mit ihrem hauseigenen Restaurants lediglich der Wunsch der Hotelgäste nach Frühstück oder einfachem Abendessen zufrieden stellen wollen, haben andere durchaus Ambitionen, mehr als nur eine schlichte Versorgungseinrichtung zu sein.

Sie wollen ein kulinarisches Angebot, das auch auswärtige Gäste anlockt und zum Renommee des Hauses beiträgt. Aus diesem Grund gibt es allein in sechs Berliner Luxushotels Sternerestaurants. Sieben Hotelrestaurants werden im Feinschmeckerführer "Gault Millau" für ihre überdurchschnittlich gute Küche gelobt. Zahlreiche weitere Hotel-Restaurants bieten Gourmetniveau.

Doch bei der enormen Vielfalt des gastronomischen Angebots in der Stadt ist es nicht einfach, das besondere, vielleicht sogar einzigartige Angebot zu finden, das das eigene Haus von der Konkurrenz unterscheidet und Aufmerksamkeit erregt. Ein solches Konzept haben offensichtlich die erfahrenen Hoteliers der Albeck & Zehden Hotels für ihr Flaggschiff, das Vier-Sterne-Superior-Hotel Crowne Plaza an der Nürnberger Straße in Schöneberg, gefunden. Im Zuge der Modernisierung des Hauses gaben sie dem angestaubten Hotelrestaurant "Wilson's" ein derart radikales Facelifting, dass heute nichts mehr an die ehemals graue Gastro-Maus erinnert. Schon Anfang der 90er-Jahre bewiesen die Unternehmer ihr Faible für außergewöhnliches Design, als sie drei Jahre lang das damals in ihrem Besitz befindliche Schlosshotel im Grunewald von Modezar Karl Lagerfeld komplett umgestalten ließen.

Neues Ambiente und neue Küche

Im Gegensatz zum verspielt-prunkvollen Schlosshotel präsentieren sich das Stadthotel Crowne Plaza und das "Wilson's" im modernen Ambiente mit dunklem Holz und ausgeklügeltem Lichtkonzept. Schon das macht das Restaurant einladend, wäre aber wohl zu wenig, um die Gäste auf Dauer zu begeistern. Denn schicke Restaurants gibt es viele in der Stadt. Deshalb wurde die Umbaupause des Restaurants auch gleich genutzt, um das vorherige, auf gutbürgerliche Küche ausgerichtete Konzept komplett zu verwerfen. Im nun weltstädtischen Restaurant mit American Cuisine unter Leitung des neuen Küchenchefs Christoph Trampler hat es eine gänzlich andere Ausrichtung. Seit Ende 2010 bereichert das neue "Wilson's" die schon vorhandene gastronomische Vielfalt in der Stadt. Vor allem wegen des wohl einzigartigen Angebots, dem US-Prime Rib aus dem mageren Kern der Hochrippe junger Rinder. Es ist der kulinarische Star im Restaurant.

Der gebürtige Magdeburger und erfahrene Küchenchef Christoph Trampler kann mehr als das edle Fleisch perfekt zuzubereiten. Das stellt er beim fünfgängigen Morgenpost-Menü im Juni unter Beweis, das Sie für 59,50 Euro pro Person inklusive der begleitenden Weine probieren können. Bereits beim ersten Gang überrascht Trampler mit einer typisch nordamerikanischen Spezialität, einem warmen "California Crab Cake" auf Gurken-Ingwer-Salat mit Schäumchen von reduziertem Portwein, Kubebenpfeffer und Frühlingslauch. Für die fein gehackte Masse der gebratenen "Krustentier-Edel-Bulette" verwendet der Küchenchef das delikate Fleisch der Schneekrabbe.

Um die Weinauswahl zum Menü kümmerte sich der italo-amerikanische Restaurantmanager Joel Mark Colacchia. Kein Wunder, dass in einem auf nordamerikanische Küche ausgerichteten Restaurant vier der fünf Weine aus Kalifornien stammen. Zur Krabbe gibt es da einen 2008er Chardonnay von Robert Mondavi Twin Oaks, der teilweise im Barrique ausgebaut wurde. Colacchia beschreibt ihn so: "Der Wein bietet eine wunderschöne Nase von Birnen, Pfirsich, Haselnuss, Mandel, Vanille, einen Hauch Zimt und blumige Noten. Er hat eine cremige Textur, eine feinwürzige Frucht und mineralische Akzente."

Ein sommerlich leichter Zwischengang ist das darauf folgende kalte Gemüsesüppchen "Gazpacho" mit Limette, hauchdünnem Tomatenbrotchip und Kräutersalat. Als besonderen kulinarischen Kick empfiehlt der Chefkoch vor der ersten Kostprobe der spanischen Suppenspezialität die Zunge mit Limettensaft zu benetzen. "Ein prickelndes Geschmackserlebnis", versichert Trampler. Die Weinempfehlung zu diesem Gang ist ein 2007er Sauvignon Blanc von Robert Mondavi mit einer wunderbar ausgewogenen Struktur, Blumigkeit und Fruchtigkeit.

Thunfisch perfekt gegrillt

Feinsten gegrillten Thunfisch gibt es als "Tuna Chef's Style" mit schwarzem Reis als dritter Gang. Die Tranchen des Longline Tuna, der ohne den Einsatz von Netzen gefangen wurde, werden mit Birnenviertel, einem Avocado-Dip und Sojaschaum wunderbar zur Geltung gebracht. Dazu gibt es einen 2009er Zinfandel-Rosé mit Aromen von Erdbeeren, Cassis, Brombeeren, Orangeschalen, Pfeffer, Jasmin und einem Hauch Flieder.

Zum Hauptgericht: Das kann in Berlins einzigem Prime Rib Restaurant natürlich nur Prime Rib sein. Nach einem ausgeklügelten Verfahren bereitet der Küchenchef das Fleisch zu. Dazu wird ein größeres Stück aus dem mageren Kern der Hochrippe luftdicht verpackt und bis zu neun Stunden in einem 59 Grad warmen Wasserbad sanft gegart. Anschließend wird es bei 220 Grad Celsius für zehn Minuten in den Ofen geschoben, damit sich seine besondere Kruste bilden kann.

Zum saftigen Fleischgericht werden zarte Thaispargel und Kartoffelgratin gereicht. Abrundung findet die Zusammenstellung durch eine Jus à la Trampler, die allein schon süchtig macht. Der Restaurantmanager hat als Begleitung einen Rotwein ausgewählt. Der 2006/7er Zinfandel mit dem Duft und Geschmack nach Pflaumen, schwarzen Johannisbeeren, Vanille und Rauch. Das ist eine wunderbare Ergänzung zur Portwein-Sauce.

Den süßen Abschluss bildet ein allseits beliebter Dessertklassiker. Frisch und köstlich ist die feincremige Crème Brûlée zubereitet, vollendet mit frischen Beeren. Mit dem dazu gereichten, extra trockenem Prosecco Frizzante Soligo kann man den Abend im Restaurant oder auf der Hofterrasse, die erst seit diesem Monat das neue Highlight des "Wilson's" ist, ausklingen lassen.