Trus Top-Tipp

Meister der Moll-Akkorde

Spreeradio-Moderator Jochen Trus empfiehlt Nathaniel Rateliff

Zum Anschauen: Kennen Sie "Schlechte-Laune-Bärte", die sich an den Seiten der Mundwinkel runterziehen und ihrem Träger einen kauzigen, traurigen Ausdruck verleihen? Genau so einen trägt Nathaniel Rateliff. Und wie sein Äußeres, haben auch seine Songs eine spezielle Ausstrahlung. Seltsam anrührende Lieder sind das, die mir da entgegen kamen, als ich seine Musik das erste Mal auflegte. Und nach einigen Runden auf dem Plattenteller lasse ich mich zur Aussage hinreißen, dass es im letzten Jahr keine andere Songschreiber-Platte gab, die mich so berührt hat. Am Sonntagabend spielt Rateliff im Lido, und wer Songwriter mag, darf den hauptberuflich immer noch als Gärtner arbeitenden Amerikaner nicht verpassen.

Zum Anhören: 16 Songs finden sich auf seinem Erstling "In Memory Of Loss". Merkwürdig phrasierend singt sich Rateliff durch meist melancholische, metaphorische Erzählungen in Country- , Folk- und Rock-Sound. Gitarre, Mundharmonika, Schellenkranz, Geige, Xylophon, überraschend eingesetzter Harmoniegesang und die eigenartig spröde Produktion lassen die Musik klingen wie aus einer lange vergangenen Zeit. Nicht immer ist klar, was er da eigentlich singt, und ob sich das Wasser in den Augen vor Trauer oder vor Freude über soviel Schönheit sammelt.

Weitere Tipps des beliebten Moderators bekommen Sie bei "Jochen Trus am Morgen" auf 105'5 Spreeradio