Ausflugs-Tipp

Wo Nachwuchs und Profis für Höchstleistungen trainieren

Klobig steht die große Sporthalle (1) am Weißenseer Weg, der tatsächlich eine vielbefahrene, mehrspurige Straße ist. Hinter ihr tut sich ein ganz besonderes Areal auf. Das Sportforum Hohenschönhausen, das sich, begrenzt von Weißenseer Weg und Konrad-Wolf-Straße auf einem 55 Fußballplätze großen Areal erstreckt, ist Deutschlands größter Olympiastützpunkt.

30 Sportvereine sind dort beheimatet, dazu zwölf Bundesstützpunkte, ein Internat und das Institut für Sportwissenschaften der Humboldt-Universität. Im Sinne von Baron Pierre de Coubertain, dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, trainieren in Hohenschönhausen Nachwuchs- und Spitzenathleten für sportliche Höchstleistungen. Dass der französische Gelehrte - dem Vorbild der Antike folgend - nur erwachsene, männliche Einzelkämpfer in der olympischen Arena sehen wollte, sei ihm gnädig nachgesehen.

Der weitläufige Komplex, Mitte der 50er-Jahre errichtet, ist ein Baudenkmal. Nahtlos schließen sich - linker Hand - an die große Sporthalle in einem langgestreckten Gebäudetrakt Trainingssäle für ganz unterschiedliche Disziplinen an. Ganz am Ende findet sich die 1963 eröffnete Schwimmhalle (2). In der hat einst auch Franziska van Almsick trainiert. Ein steinernes Denkmal davor verrät den Geschmack der Zeit. Mit stolz geschwellter Brust sitzen - ganz sozialistischer Realismus - zwei Sportlerinnen und blicken starr geradeaus. Ihre Füße sind groß wie Geigenkästen und irgendwann muss einer der Finger verloren gegangen sein. Das viele Grün versteckt das grob gehauene Kunstwerk.

Grün und ruhig ist es im Sportforum. Satte Wiesen, Schatten spendende Bäume und wilder Wein, der viele der Zäune erklommen hat, sorgen für Park-Atmosphäre. Vorbei an den Beach-Volleyball-Feldern und der Rollhockeyfläche gehen wir weiter zu den Fußball-Trainingsplätzen. Hier dominiert der tägliche Spiel(be)trieb. Das Stadion mit seinen Rängen für 12 000 Zuschauer ist Heimstätte des BFC Dynamo. Der im Osten verhasste zehnmalige DDR-Fußballmeister erlebte nach der Wende einen tiefen Sturz. Einst protegiert und drangsaliert von Stasi-Chef Erich Mielke, spielt der Verein heute nur noch in der fünften Liga. Gleich nebenan im Vereinsheim findet sich der Spruch: "Dynamo heißt Zusammenhalt, egal in welcher Alterszeit". Wenn kein Heimspiel ist und der Grill glüht, muss man sich mit Bockwurst und Cappuccino begnügen. An anderen Tagen nutzen Eltern, deren Kinder trainieren, die Klause zum Zeitvertreib.

Wenige Meter weiter, hinter der riesigen Trainingshalle für die Leichtathleten, beginnt in Hohenschönhausen die Eiszeit. Bis zum Umzug in die supermoderne O2 World nahe dem Ostbahnhof war der legendäre Wellblechpalast (3) die Spielstätte der Eisbären. Heute ist er nur noch Trainingsstätte, nicht nur für die Puckjäger. Wer erleben will, wie sich kleine Ballerinen grazil übers Eis schrauben, ist hier richtig. Neben dem Wellblechpalast steht das große Hallenoval für die Eisschnellläufer. 1986 war es weltweit die erste Halle mit einer 400-Meter-Bahn.