Mein perfekter Sonntag

Erholung wie im Urlaub

Wer nicht genau hinschaut, könnte Schauspieler Walter Plathe glatt übersehen: Der Theater- und Fernsehstar sitzt Sonntagmittag im legeren Freizeithemd und mit Basecap im Restaurant "Kajüte" an der Fährallee in Rauchfangswerder vor einer Portion fangfrischem Fisch und sagt: "Ich mag am liebsten Zander."

Dort, in unmittelbarer Nähe des Zeuthener Sees, hält es Plathe mit den Goethe-Worten "Hier bin ich Mensch, hier kann ich's sein". Dackel Polonius (9) sitzt zu seinen Füßen. Plathe lacht verschmitzt: "Hier bin ich ein Gast wie jeder andere, muss keine Fragen beantworten und kann in aller Ruhe Bier oder ein Glas Wein trinken."

Ein Motorboot namens "Hamlet"

Zum Restaurant, das sogar einen Extra-Anbau für Raucher hat, geht der Schauspieler meistens zu Fuß, denn sein eigenes Wassergrundstück liegt nicht weit entfernt. Ein Motorboot namens "Hamlet" gehört ebenfalls zu seinem Besitz, so gesehen kann Plathe seine Sonntage auch in einer echten Kajüte genießen. "Ich bin von hier aus schon bis an die Ostsee geschippert", sagt er und berichtet von einem "Schreckensmoment" mit seinem geliebten Dackel: "Im vergangenen Jahr bin ich einmal schneller als gewohnt eine große Runde auf dem Krossinsee gefahren. Plötzlich war der hinten auf dem Boot sitzende Hund nicht mehr zu sehen. Er war ins Wasser gesprungen. Zum Glück fand ich ihn schnell wieder."

Damit der Vierbeiner genügend Auslauf hat, greift Plathe am Wochenende zum Fahrrad, fährt eine Runde von Rauchfangswerder bis nach Schmöckwitz. Der südlichste Ortsteil von Berlin ist ideal für lange Spaziergänge. "Berlin hat einen einzigartigen, wunderschönen Grüngürtel. Da hat der liebe Gott einen besonders schönen Haufen hingesetzt", schwärmt Plathe. Und ergänzt: "Das Tollste an Berlin ist, dass man hier alles so nah beieinander hat. Großstadtleben und Urlaubsflair zugleich."

Der Sonntag beginnt für den Charakterdarsteller nach eigenem Bekunden "nie vor 9 Uhr", egal, ob er Theater spielt oder nicht. Der Junggeselle, der nach neun Ehejahren seit 2008 von der 23 Jahre jüngeren Schauspielerin Victoria Sturm geschieden ist, macht beim Frühstück nicht viele Umstände. Er bereitet für sich frischen Orangensaft, Kaffee und ein Marmeladenbrot zu. Dackel Polonius liebt Leberwurstbrot.

Solange Walter Plathe im Theater am Kurfürstendamm als "Professor Unrat" in dem Stück "Der blaue Engel" auf der Bühne steht (noch bis zum 15. Mai), fährt der Schauspieler schon mittags gegen 13.30 Uhr von zu Hause los in Richtung Charlottenburg. Denn sonntags beginnen die Vorstellungen bereits um 16 Uhr. "Dafür habe ich dann aber einen freien Abend", freut sich Plathe. Die Zeit nach der Vorstellung verbringt er häufig im Theaterrestaurant Café Dressler am Kurfürstendamm, meistens jedoch Zuhause. Oft sind Kollegen mit von der Partie. Berühmt sind Plathes Kohl-Eintöpfe.

Wenn er keine Vorstellung hat, macht Walter Plathe am Sonntagnachmittag regelmäßig einen Abstecher ins Zille-Museum im Nikolaiviertel, wo unter anderem die Original-Staffelei des 1929 verstorbenen Künstlers zu sehen ist. Plathe, der 2009 für seine Titelrolle im Theaterstück "Zille" den Berliner Publikum-Theaterpreis "Goldener Vorhang" als beliebtester Darsteller gewann, ist Mitglied der Heinrich-Zille-Gesellschaft e.V. Berlin und gehört zu den Mitbegründern des Museums.

Besuch beim Sohn in Steglitz

Aufgewachsen ist Walter Plathe im sogenannten Berliner Scheunenviertel in Mitte. "Mein Kiez war die Acker- und Linienstraße." Dort ist er heute eher selten anzutreffen, auch in Richtung Prenzlauer Berg zieht es ihn nicht mehr oft. Mit den vielen Hinzugezogenen sei ihm die Gegend etwas fremd geworden. Da fährt er lieber nach Steglitz, wo sein 34-jähriger Sohn Janek wohnt, der im vergangenen Jahr geheiratet hat. Janek Plathe ist hinter der Kamera aktiv, studierte in Babelsberg und ist inzwischen Erster Aufnahmeleiter und Produzent. Er war schon bei den Dreharbeiten der "Landarzt"-Serienfolgen mit seinem Vater als Mitproduzent dabei. Was hat Walter Plathe während all der Jahre (1992 bis 2008) beim Drehen in und um Kappeln in Schleswig-Holstein besonders vermisst? "Berlin eben! Freunde, Kollegen und Kultur", sagt er wie aus der Pistole geschossen. Denn Plathe genießt an spielfreien Sonntagabenden auch die Kunst anderer Schauspielkollegen, sowohl im Fernsehen als auch auf der Bühne. Für welchen Star hätte er gerne mehr freie Wochenenden, um ihn zu sehen? Plathe: "Für Christiane Hörbiger. Ich mag sie sehr und verpasse ungern Filme mit ihr." Mit Vorliebe geht er ins Deutsche Theater, ins Berliner Ensemble, das Gorki-Theater oder die Komische Oper. Die Volksbühne ist weniger sein Fall.

Gelegenheit wird er dazu in den kommenden Monaten aber nicht oft haben. Vom 25. Juni bis 10. Juli gastiert der Berliner bei den Nibelungen-Festspielen in Worms, verkörpert unter der Regie von Dieter Wedel die Titelrolle in "Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß". Ab 16. Juli bis 4. September ist Plathe wieder im Theater am Kurfürstendamm als "Braver Soldat Schwejk" zu sehen, geht damit außerdem mehrere Wochen deutschlandweit auf Tournee. "Und dann", rechnet der Schauspieler vor, "ist schon wieder Weihnachten."

"Berlin hat einen einzigartigen, wunderschönen Grüngürtel"

Walter Plathe, Schauspieler