Kulinarische Landpartie, Teil 6

Der schöne Ausblick hinter den Industrieruinen

Östlich von Berlin, in der Nähe der Oder, scheint irgendetwas mit den Straßenschildern nicht zu stimmen. "Berlin, 60 Kilometer" ist auf ihnen zu lesen. Man wundert sich, warum man selbst schon mehr als 100 Kilometer weit gefahren ist und wirft einen vorwurfsvollen Blick auf das Navigationsgerät.

Egal, ob man die Stadt durchquert und den Landstraßen folgt oder die Autobahn nimmt: Die Anfahrt zum Schloss Neuhardenberg zieht sich in die Länge. Doch der anderthalbstündige Weg lohnt sich. Das große weiße Schloss liegt in einem von Peter Joseph Lenné und Hermann Fürst von Pückler-Muskau gestalteten Landschaftsgarten. Viel Wasser, viel Grün und sanft geschwungene Wege beruhigen das gestresste Großstadtauge.

Nach einem Spaziergang kann man sich in dem Landgasthaus "Brennerei" niederlassen. Die Einrichtung ist schlicht und behaglich, bei schönem Wetter sitzt man windgeschützt draußen im Hof. Auf der Speisekarte von Küchenchef Sebastian Gier stehen Gerichte aus regionalen Zutaten, die meist einen mediterranen Einschlag haben. So werden gratinierte Lammkoteletts auf einem Rote-Bete-Carpaccio (9,50 Euro) serviert. Zur Ziegenkäseterrine gibt es einen Salat aus grünem Spargel (9 Euro). Erst Ostersonntag hat der Chefkoch das Gourmet-Restaurant "Orangerie" eröffnet, das nur in den Sommermonaten empfängt: "Der Betrieb von zwei Restaurants würde sich hier, in dieser abgeschiedenen Lage, ganzjährig niemals rechnen." Ganz ausgezeichnet ist in der "Orangerie" als Vorspeise auch die hausgemachte Kaninchen-Spargelsülze (11 Euro) und als Hauptgericht das Duett vom brandenburgischen Osterlamm mit Rauchsalz (24 Euro).

Ebenfalls im Märkisch-Oderland, in Buckow, liegt das kleine 4-Sterne-Hotel "Stobbermühle". Draußen rauscht eine Mühle. Der Kurpark, eine alte Dorfkirche und der Buckower See sind nur wenige Minuten entfernt. Küchenchef und Betreiber des Hotels ist Frank Güldenpfenning, der einst im "La Coupole" des Berliner Hiltons am Herd stand. Im Hotel-Restaurant "Ars Vivendi" kocht er auf hohem Niveau zu erschwinglichen Preisen. Suppen gibt es ab 3,80 Euro, Vorspeisen ab 4,50 Euro. Spezialität des Hauses sind Fischgerichte wie das gebratene Zanderfilet auf Rote-Bete-Gemüse und Romanesco (13,50 Euro). Ein Vier-Gänge-Menü kostet 32 Euro. Besonders beliebt ist die Stobbermühle für Hochzeiten - nicht nur wegen der romantischen Lage sondern auch, weil im Hotel ein kleines Standesamt untergebracht ist.

Nähert man sich dem unangefochtenen kulinarischen Highlight östlich von Berlin, dann durchquert man zunächst eine Landschaft voller brachliegender Industrieruinen und kleiner Orte, denen sich auch wohlwollenden Blickes nur wenig abgewinnen lässt. Irgendwann quittiert das Navigationsgerät seinen Dienst. "Allen, die mich hier besuchen wollen, sage ich immer: Wenn du denkst, jetzt kommt gar nichts mehr, bist du genau richtig", erzählt Peter Krüger, der Küchenchef von "Gut Klostermühle". Mitten in einem dichten Waldgebiet liegt das Örtchen Alt Madlitz idyllisch direkt an einem erstaunlich steilen Hang. Von der Terrasse des Restaurants "Klosterscheune" und von den Hotelzimmern aus blickt man auf den Madlitzer See, der von Bibern, Zandern und Hechten bevölkert wird. In der rustikalen "Klosterscheune" essen Berliner und Brandenburger als Vorspeise den Karthäuser Fischtopf (7,50 Euro) oder ein Wildgericht wie das Gulasch vom Reh mit Serviettenknödeln (15,20 Euro).

Kräuter wachsen vor der Tür

In der "Finkenlounge" speisen vor allem die Gäste des luxuriösen Medical-Spas, ihnen wird gesunde Kräuter- und Gemüsekost serviert. "Ich streife hier gerne durch die Wälder und sammle Pimpernelle, Giersch, Sauerklee und Vogelmiere ein", berichtet der Chefkoch. Die Kräuter verwendet er auch in dem Feinschmecker-Restaurant "Klostermühle", das über die Landesgrenzen bekannt ist. Originell und absolut empfehlenswert sind der Madlitzer Zander auf Graupenrisotto mit Kalbskopf und Kräuterbrotchip (24,50 Euro). Ebenso Krügers Bananensplit mit Tonkabohneneis und Mangocoulis (10,50 Euro). Im Frühjahr will Krüger Spargel- und Lammgerichte sowie Hechttörtchen servieren. Mehr ist nicht gewiss. Denn: "Was letztlich genau auf der Tageskarte stehen wird, entscheide ich je nach Angebotslage immer erst am jeweiligen Morgen", sagt der Küchenchef.

Schloss Neuhardenberg Schinkelplatz, 15320 Neuhardenberg, Tel. 033476-6000, Brennerei tgl. ab 11 Uhr, Orangerie Mi.-Sbd. ab 18 Uhr, schlossneuhardenberg.de

Stobbermühle Wriezener Straße 2, 15377 Buckow, Tel. 033433/668 33, täglich ab 11.30 Uhr, www.stobbermuehle.de

Gut Klostermühle Mühlenstraße 11, 15518 Madlitz-Wilmersdorf OT Alt Madlitz, Tel. 033607/592 91 25, Mi.-Fr., 18-22 Uhr, Sbd./So. 12-14 Uhr u. 18-22 Uhr, www.gut-klostermuehle.com